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Stadtteilladen mit revolutionärem Hintergrund

Am Sonntag eröffnen linksradikale Gruppen einen Kieztreff in Berlin-Kreuzberg / Ziel: Raus aus der Blase

  • Von Julian Seeberger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Levent Konça (r.) im neuen Café mit revolutionärem Hintergrund
Levent Konça (r.) im neuen Café mit revolutionärem Hintergrund

Bald ist es so weit. Endlich. Doch noch ist einiges zu tun. Levent Konça lässt seinen Blick durch den großen L-förmigen Raum schweifen. Man sieht ihm an, wie er sich innerlich verbleibende Aufgaben notiert. Aber auch Stolz auf das, was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet haben.

Der ruhige Enddreißiger verdient sein Geld als Übersetzer. Vor allem aber ist er Aktivist der Kiezkommune Kreuzberg-Neukölln - und linksradikal. Gerade steht er in der Waldemarstraße 110 in Kreuzberg. Lange beherbergten die Erdgeschossräume des Hauses den Antifa-Versand Red Stuff. Linke Aktivisten versorgten hier Gleichgesinnte mit szenetypischer Bekleidung. Zuletzt lag der Betrieb brach.

»Wir wollten raus aus dieser Blase«, sagt Konça. »Der Kapitalismus hatte weder uns noch fast allen anderen Menschen je etwas anderes zu bieten als Schufterei, Konkurrenz, Unterdrückung und Verdrängung.« Das zu ändern, vermöge aber weder eine Szene noch bloße Kampagnenpolitik. »Viel zu lange haben Linksradikale diese Zeit der Vereinzelung mit Zurückgezogenheit und interner Spalterei nachvollzogen. Wir wollen stattdessen offen und ansprechbar sein für die Menschen hier im Kiez.« Das Konzept seiner Gruppe verweist damit auch auf einen grundlegenden Politikwechsel, den Teile der radikalen Linken seit Kurzem in vielen Städten vollziehen.

Die Einweihung des frisch renovierten Ladens am Sonntag bewertet Konça als wichtigen Schritt. »Unsere Gruppe wird in Zukunft immer samstags hier sein, Filme zeigen, diskutieren und gemeinsam mit allen Interessierten kochen.« Den täglichen Betrieb teilt sie sich mit zahlreichen weiteren Initiativen, die an den übrigen Wochentagen das Programm gestalten.

Hinter dem Projekt Mahalle, türkisch für Kiez und Name des Ladens, welcher nichtkommerzielles Café, Wohnzimmer und Veranstaltungsraum zugleich sein soll, stehen vorrangig internationalistische Gruppen: kurdische und türkische Strukturen wie HDK und Academics for Peace, aber auch Katalanen. Auch die Gruppe Bilgisaray ist Teil des Projekts. Sie kann auf eine dreijährige Erfahrung beim Betreiben eines Stadtteilladens mit offener Küche aufbauen, wie Devrim Korkmaz, Sprecherin der Gruppe, gegenüber dem »nd« erklärt.

»Wir wollten einen unkommerziellen und schönen Raum schaffen, der nach den Prinzipien von Solidarität und Selbstverwaltung funktioniert«, sagt sie. »Für uns ist das Mahalle auch deswegen so wichtig, weil wir in solch einem solidarisch geführten Raum die Chance sehen, über politische Grenzen hinweg unterschiedlichste Einzelpersonen und Gruppen unter einem Dach zusammenzubringen.«

Unter dem Banner von größtmöglicher Offenheit tritt die radikale Linke in Kreuzberg also den Weg zur Verankerung in ihrer Nachbarschaft an. Ob am Ende die Revolution stehen wird, wird sich zeigen. Ab Sonntag wird die weitere Entwicklung zu beobachten sein.

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