Zu Besuch bei einer sowjetischen Gottheit

Das Geburtshaus Josef Stalins in seiner georgischen Heimatstadt Gori ist heute ein Museum. Eine Auseinandersetzung mit der stalinistischen Repression fördert es nur bedingt.

  • Von Jens Malling
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.
Eine rollende Festung: Stalins Eisenbahnwaggon

Hier wird eine Gottheit geehrt. Ein sonderbares Museum in der georgischen Stadt Gori erweckt diesen Eindruck beim Besucher. Die imposanten Säulen halten das tempelartige Gebäude aufrecht. Es strahlt eine Aura von Unvergänglichkeit aus und könnte die letzte Ruhestätte eines antiken Kaisers sein. Stattdessen bietet der sakrale Bau Raum für eine umfassende Ausstellung über einen der mächtigsten und despotischsten Führer des 20. Jahrhunderts: Josef Stalin. Er regierte das sowjetische Imperium mit eiserner Hand, von Anfang der 1930er Jahre bis zu seinem Tod 1953. Von seinen Gemächern im Moskauer Kreml aus erließ er Befehle für Massaker und Zwangsumsiedlungen ganzer Völker. Seine Anhänger erinnern sich lieber an ihn als den Sieger des Zweiten Weltkriegs und den Bezwinger des Hitlerfaschismus.

Der Weg zum höchsten Gipfel der Macht in der Hauptstadt der Sowjetunion begann in bescheidenen Verhältnissen, hier in Gori - einer staubigen Provi...

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