Werbung

Der Erfinder Brandenburgs

23 Künstler zeigen im Landtag ihre Werke mit Bezug auf den Schriftsteller Theodor Fontane

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es ist ein Höhepunkt vor dem Höhepunkt. Als Ouvertüre zum großen Fontane-Gedenkjahr 2019 eröffnete die Ausstellung »fontane.200« im Potsdamer Landtagsschloss. »In Anschauungen bin ich sehr tolerant, aber Kunst ist Kunst«, lautet der Titel der Schau. 23 bildende Künstler arbeiten sich hier am »märkischen Goethe« ab, dessen 200. Geburtstag das Bundesland im kommenden Jahr umfassend feiert.

Der Landtag sei »längst nicht nur ein Ort der politischen Auseinandersetzung«, sagte Parlamentspräsidentin Britta Stark (SPD) bei der festlichen Einweihung. Noch gut in Erinnerung ist der Streit um den weißen Adler im Plenarsaal und um ein verfremdetes Hitler-Porträt, das kurz nach Einzug des Parlaments die Gemüter beunruhigte und erregte.

Mit Theodor Fontane hat nun ein scheinbar ungefährliches, scheinbar abgehangenes Thema an die Landtagswand gefunden, so der erste Eindruck. Zugegeben - die wenigsten der ausgestellten Bilder oder Skulpturen drängen beim ersten Betrachten einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem Schriftsteller Fontane auf. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Gemälde von Rainer Ehrt: Pferdebahn Fontanestraße und Fantorama I und II, die Fontane selbst auftreten lassen und ihn zu Figuren seiner Zeit in Beziehung setzen.

Vielfach begegnen dem Betrachter Landschaftsbilder, welche Fontanes Welt von der Prignitz bis zur Lausitz wiedergeben. In Kunstwerke einbezogen sind auch die bekannten Gedichte beziehungsweise Balladen Fontanes: der »John Maynard«, das Birnen-Gedicht vom Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, das viele Menschen aus den alten Bundesländern zu einem Besuch im Havelland veranlasst.

Bemerkenswert auch dies: In der Ausstellung, die laut den Worten der Landtagspräsidentin regionale und überregionale Künstler vereint, sind sowohl Werke des verstorbenen großen DDR-Malers Bernhard Heisig zu sehen, als auch solche seines Sohnes Johannes Heisig. Viele der ausgestellten Werke beziehen sich auf Texte Fontanes, unter anderem den »Stechlin« und die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«. Zur Debatte steht einmal mehr, was als der »Realismus« in Fontanes Literatur anzusehen ist, und wie er hinterfragt werden müsste, um eine geistige Linie seines Werkes zur Gegenwart zu ziehen.

Im Landtag ist der Ausstellung ein großes Publikum sicher. Laut Parlamentspräsidentin hat das Landtagsschloss seit 2014 etwa 650 000 Besucher gehabt, schon wenige Monate nach Eröffnung überstieg die Zahl der Gäste diejenige, welche der alte Landtag auf dem Brauhausberg in 25 Jahren begrüßen konnte. Im neuen Landtag wurden seit seiner Eröffnung schon 22 Ausstellungen gezeigt.

Die atemberaubende Fülle der Fontane-Gedenkveranstaltungen im kommenden Jahr skizzierte die Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg Brigitte Faber-Schmidt. »Sie können sich damit den Kalender schon mal vollpacken«, drohte sie scherzhaft den Anwesenden.

Aus der Vielzahl der geplanten Veranstaltungen ragen heraus die »Leitausstellung« in Neuruppin, dem Geburtsort Theodor Fontanes, und die große Fachkonferenz des Fontane-Archivs und der Universität Potsdam zu den Stichworten »Fontane und die Medien«.

Diesen Aufwand sei der bekannte preußische Dichter des 19. Jahrhunderts wert, weil er »Brandenburg als historische Kulturlandschaft geschaffen« habe, so Ausstellungskuratorin Christiane Barz. Seine Reisebilder und Geschichten prägen demnach das Bild der Mark bis heute. Barz schilderte, dass sich Fontane in seiner Rolle ungern festlegen ließ, und korrigierte das gängige Fontane-Bild nicht nur dahingehend, dass er lieber mit der Kutsche oder mit der Bahn fuhr, anstatt zu wandern. Vor allem war er ein »Schreiber für Geld«, der große Erkunder der Mark Brandenburg habe keineswegs auf großem Fuß leben können. Er war Kriegsberichterstatter, Theater- und Literaturrezensent und hatte »insgesamt 67 Notizbücher gefüllt«. Hier gelte es noch geistige und literarische Schätze zu heben. Barz teilte mit, dass eine »große brandenburgische Ausgabe seiner Werke« geplant sei.

Ausstellung »In Anschauungen bin ich sehr tolerant, aber Kunst ist Kunst«, bis 28. Dezember, Foyer des Landtags, Alter Markt in Potsdam, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, Eintritt frei

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!