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Keine armen Kirchenmäuse

Der Finanzbericht der Limburger Diözese von 2017 offenbart satten Zuwachs

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Als die Deutschen noch mit Mark zahlten, zierte die Rückseite des 1000-DM-Scheins der Dom zu Limburg. Das mag auf die architektonischen Bedeutung dieses frühgotischen Prachtbaus zurückzuführen sein. Es barg aber vielleicht auch einigen Hintersinn. Denn die Limburger Bischöfe waren zu keiner Zeit Arme. So rangiert die Diözese Limburg mit einem Vermögen von 1,1 Milliarden Euro noch heute auf Platz vier unter den 27 katholischen Bistümern Deutschlands. Nur in München, Paderborn und Köln hat man noch mehr auf der hohen Kante. Dabei ist der Limburger Sprengel mit 624 000 eingetragenen Katholiken vergleichsweise klein. Opulenter sind die Diözesen München, Münster, Stuttgart, Freiburg, Paderborn, Aachen, Trier, Augsburg oder Regensburg .

Dass man in Limburger Kirchenkassen über die Jahrhunderte einiges angehäuft hat, erfuhr die staunende Öffentlichkeit spätestens 2014, als die Eskapaden des damaligen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst bekannt wurden. Direkt vis-à-vis der Kathedrale hatte er sich hinter hohe Mauern ein sehr luxuriöses, persönliches Anwesen bauen lassen: mit Edelbadewanne, bronzenen Fensterrahmen, leuchtenden Treppenstufen, Intarsien im Boden, maßgefertigten Möbeln, Antiquitäten, Kunst und einer Privatkapelle.

Als sich Kosten für die 31 Millionen Euro teure Residenz eines Tages endgültig überschlugen, musste der Ordinarius zurücktreten - und manch eines seiner Schäfchen fiel offenbar vom Glauben ab. Denn seit 2008 sank die Zahl der Katholiken im Bistum Limburg um 46 000. Allein von 2017 zu 2018 schrumpfte ihre Zahl um 6000. Inzwischen bekennen sich nur noch 26 Prozent der Bewohner im Bistumsbereich - hierzu gehören auch die Städte Frankfurt/Main und Wiesbaden - zur römischen Kirche.

Nun hat das Finanzdezernat der Limburger Diözese seinen Jahresbericht für 2017 vorgestellt. Dieser wies ein deutliches Plus von 48 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr aus. Allein durch die Kirchensteuer nahm das Bistum letztes Jahr 227 Millionen Euro ein und damit 13 Millionen Euro mehr als 2016. Aus diesem Born bestreitet man laut dem Bericht die Kosten etwa für Immobilien, Infrastruktur, synodale Arbeit sowie Verwaltung, zumal zum Bistum selbst noch drei weitere Körperschaften gehören: der Bischöfliche Stuhl als personengebundene Finanzquelle des Bischofs, das Domkapitel als eigentliche Verwaltung und eine Schulstiftung. Alles in allem entfallen darauf 28 Millionen Euro im Jahr, weitere je 17 Millionen Euro fließen in Schule und Bildung sowie in soziale Aufgaben.

Die bischöfliche Schatzmeisterei zeigt sich zufrieden, da man unterm Strich aber 58 Millionen Euro aus dem Ergebnis 2017 »in die wirtschaftliche Vorsorge stecken« könne. Dies lässt auch einigen Realitätsinn erkennen. Denn jene Rücklagen sollen den Erhalt des Kirchenbetriebes auch dann sichern helfen, wenn man »in den kommenden 20 Jahren durch die demographische Entwicklung - im Wesentlichen durch den Effekt des Renteneintritts der so genannten Babyboomer-Jahrgänge - eine Umbruchsituation erleben« werde, so Finanzchef Gordon Sobbeck. Auf Kirchenaustritte aus anderen Gründen ging er indes nicht ein.

Der Seelsorge in den 135 Pfarreien des Bistums Limburg kommt das Plus nicht zugute. Mit 119 Millionen Euro ist für diesen Bereich 2018 eine Million, also 3 Prozent, weniger veranschlagt als im Vorjahr. In der Gesamtrechnung entfällt auf die Seelsorge mit 53 Prozent jedoch der Löwenanteil der jährlichen Ausgaben. Fast 92 Prozent der Bilanzsumme des Bistums sind allerdings fest angelegt. Das entspricht nicht nur allen anderen katholischen Diözesen, es zeigt auch, dass die päpstlichen Gliederungen andernorts in Deutschland noch viel begüterter sind. Im Erzbistum München und Freising häufte man gar 5,5 Milliarden Euro an, die Erzbistümer Paderborn (4,3) und Köln (3,7) stehen dem nicht viel nach.

Laut dem Berliner Sozialwissenschaftler Carsten Frerk, der 2013 das Vermögen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland analysierte, summieren sich deren Werte an Grundbesitz, Immobilien, Geldanlagen und Beteiligungen auf 200 Milliarden Euro. Als Haupteinnahmequellen dienen dabei neben Kirchensteuer, Vermögenserträgen und wirtschaftlichem Gewinn - etwa durch die kircheneigene Verlagsgruppe Weltbild - auch ergiebige Staatsleistungen. Die formal laizistische Bundesrepublik subventioniert die Religionsgemeinschaft nicht nur, weil dieses Kindergärten oder Altenheime betreiben. Die zahlt ihnen auch immer noch Entschädigungen dafür, dass während der Säkularisation im 18. und 19. Jahrhundert Kirchenbesitz enteignet wurde.

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