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Hitlern gehört zum Handwerk

Andreas Koristka über die abgefahrenste Recherche der »Bild«-Zeitung seit langem - und was man davon lernen kann

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die gedruckten Medien in Deutschland in einer großen Krise stecken. Wie gut, dass es noch die »Bild«-Zeitung gibt, die immer wieder mit tollen Geschichten gegen die schwindenden Verkaufszahlen angeht. Vor Kurzem konnte das Blatt seinen Lesern wieder ein großartiges Ergebnis seiner atemberaubenden Recherche vorlegen: Ein »Bild«-Reporter reiste eigens in die Vereinigten Staaten von Amerika, um die letzten lebenden Verwandten des Führers ausfindig zu machen. Mit einem echten Hitler konnte er dann sogar ein kurzes Interview führen.

Gut, eigentlich heißt der Mann überhaupt nicht Hitler, was »Bild« aber selbstverständlich nicht davon abhielt, ihn konsequent Hitler zu nennen. Manchmal muss man im Journalismus eben ein bisschen flunkern, damit Sätze wie »Hitler trägt kurze Hose« aufgehen. Hitlern gehört nun mal zum Handwerk. Und wenn die »Bild«-Zeitung ein bisschen Auflage machen kann, indem sie jemanden in Hitler umbenennt, dann ist daran erst einmal nichts Verwerflich. Im Gegenteil: Andere Medien sollten von ihrem Beispiel lernen! Das weiß auch »Bild«-Chefredakteur Julian Hitler (38), der das Blatt 2017 aus den Händen von Kai Diekmann übernahm und der an dieser Stelle kurz vorgestellt sein soll:

Hitler, der unter einem anderen Namen in Deutschland lebt, ist ein agiler, aufstrebender Karrierist. Auf seinem Twitterprofil sieht man ihn nicht in Uniform, wie man es vielleicht erwarten könnte, sondern mit Designerbrille und im Maßanzug. Mit Frauen versteht er sich nicht so gut. Deshalb sorgte Hitler dafür, dass die »Bild«-Co-Chefin Tanit Koch das Blatt in diesem Frühjahr verlassen musste. Nach Kochs Aussage war der Grund für ihren Abgang, dass sie mit Hitler »professionell nicht harmoniert« habe. Nun ist Hitler der alleinige Führer von Deutschlands auflagenstärkster Zeitung.

Seitdem ihm die Leitung der »Bild« obliegt, hat Hitler das Blatt laut der Meinung des ehemaligen »Bild-am-Sonntag«-Chefs Michael Spreng zur »Vorfeldorganisation der AfD« gemacht. Unter Hitlers Leitung fuhr die »Bild« eine Kampagne gegen Flüchtlinge, die sie als gewaltbereite Kriminelle verunglimpfte. Außerdem veröffentlichte die »Bild« ein Interview mit dem scheidenden Geheimdienstchef Hans-Georg Maaßen, in dem dieser finstere Mächte im Hintergrund für die Diskreditierung aufrichtiger Chemnitzer Hooligans verantwortlich machte.

Um Hitler verstehen zu können, muss man auf seine Vita schauen. Er war bereits im Krieg und berichtete unter anderem aus Afghanistan. Sein Text mit dem Titel »Sie können uns töten, aber niemals besiegen« erhielt 2007 den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten. Hitlers Buch »Kriegsreporter« erschien 2009 im Fackelträger Verlag.

Doch wie ist der Mann privat? Über Hitlers Familie ist wenig bekannt. Laut Wikipedia ist seine Mutter Journalistin und beschäftigt sich mit Homöopathie. Sein Vater arbeitet als freier Journalist für Gruner und Jahr. Verheiratet ist er vielleicht immer noch mit seiner Frau Muna, über die sich nichts herausfinden lässt, egal, wie intensiv man Hitlers Wikipedia-Eintrag liest. Nur eins steht fest: Sie hat die Heirat auf jeden Fall um mehr als einen Tag überlebt. Auch über artige Schäferhunde aus seinem nahen Umfeld ist nichts bekannt.

In jüngster Zeit fiel Hitler als Kritiker der Antirassismus-Demonstration »Unteilbar« auf, der er vorwirft, mit Zionisten und Verfassungsfeinden gemeinsame Sache gemacht zu haben. Zur Überraschung vieler ist Hitler, und das muss hier wirklich mit allerhöchstem Lob festgehalten werden, ein großer Freund des Staates Israel. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt!

Nur in einer Sache gibt es wenig Überraschendes zu berichten: Hitler kann Russland immer noch nicht leiden. Wenn er den Namen Putin nur hört, geht er immer noch ab wie eine V2.

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