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Rache an Bord

Mit »Passagier 23« von Sebastian Fitzek gibt Thomas Wingrich sein gelungenes Regiedebüt im Kriminaltheater

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Nebenbei können sich zu der neuen Inszenierung im Kriminaltheater interessante Effekte einstellen. Zuschauer, die den Roman »Passagier 23« kennen, nach dem das Theaterstück entstand, haben Handlungsstränge im Kopf, die hier keine Rolle spielen. Wer wiederum unvorbereitet auf die Inszenierung trifft, kann durchaus neugierig auf das Buch werden, dessen Inhalt weitaus komplexer ist, als es Theater zeigen kann.

»Passagier 23« ist die dritte Inszenierung, bei der sich das Kriminaltheater mit dem Berliner Erfolgsautor Sebastian Fitzek verbündet. »Der Seelenbrecher« brachte es schon auf 200 Vorstellungen, »Therapie« auf 100. Die Hinwendung zu Gegenwartsliteratur erweist sich neben Klassikern der Kriminalliteratur im Repertoire als arriviert. Gutes Motiv für Erfolg. Zumeist inszeniert der künstlerische Theaterchef Wolfgang Rumpf hier die Krimis und Thriller. Während er sich jedoch schon um einen »blutroten Waschgang« kümmert, der bis zur nächsten Premiere durchgelaufen sein muss, gab er für »Passagier 23« die Regie an Thomas Wingrich ab.

Der Schauspieler, der schon deutschlandweit arbeitete und inszenierte und im Kriminaltheater in mehreren Stücken spielt, ankerte mit dem aktuellen Fitzek-Psychothriller seine erste Regie an dieser Bühne, und zwar beeindruckend. Während Rumpf zumeist die Adaptionen für die Bühne selbst schreibt, konnte sich Wingrich auf eine von Christian Scholze fürs Theater bearbeitete Fassung des Romans stützen, die sicher bei diesem Buch zu empfehlen war.

Große Personage setzt er ein. Zehn Schauspieler agieren wie am Schnürchen. Da die Bühne keinen großen Raum bietet, sorgt er für kurze Szenen, schnelle Abgänge und setzt im geschickt auf wenige Utensilien beschränkten Bühnenbild von Sven Seemann auf Lichteffekte für örtliche Veränderungen.

Silvio Hildebrandt spielt den Polizeipsychologen und verdeckten Ermittler Martin Scholz, der auf dem Kreuzfahrtschiff »Sultan« landet, das er nie mehr sehen wollte, weil seine Frau und sein Sohn dort auf einer Reise vor fünf Jahren verschwunden waren. Hildebrandt wird gern für knurrige Rollen verpflichtet und kann hier noch zulegen, denn Scholz ist das eigene Leben nix mehr wert. Um einen Kinderschänderring aufzudecken, ließ er sich ohne Zögern mit HIV infizieren. Das Virus galt als Eintrittskarte für die tödliche Party. Nun tauchte »blass wie Jesus am Karfreitag« ein tot geglaubtes Mädchen an Bord der »Sultan« mit dem Teddy seines Sohnes auf.

Seelisch erschüttert ermittelt Scholz auf See, wo sich Merkwürdiges ereignet und er nach und nach erkennt, wer wen wofür benutzt. Schreckenszahl ist die 23, denn so viele Passagiere verschwinden weltweit im Jahr spurlos auf Kreuzfahrten. Ist es doch der ideale Ort, um sich vom Leben zu verabschieden. Wie als makabres Beispiel kam während der Proben zum Stück die Nachricht vom Verschwinden des Sängers Daniel Küblböck von einem Aida-Schiff.

Fitzek musste bei seinen Recherchen zum Buch tief ins Metier eintauchen, konsultierte Fachleute, ohne die er nach eigenen Angaben alsbald gestrandet wäre. Mit deren Wissen ausgerüstet, holte er einen konsequent verfolgten Racheplan an Bord. Tragische Schicksale kommen ans Licht. Die dunkelste Rolle verkörpert Peter Dulke. Matti Wien spielt den von den Ereignissen geschüttelten Kapitän kurz vorm Durchknallen, Katrin Martin eine exaltierte ältere Dame. Große Überzeugungskraft besitzt Alexandra Maria Johannknecht als Mutter des wieder aufgetauchten Kindes (Helene Jany). Als zweites Mutter-Tochter-Paar sind Katharina Zapatka und Jeannine Gaspár zu sehen. Maria Jany birgt das große Geheimnis der Bordärztin. Mal das Gute, mal das Böse muss Alejandro Ramón Alonso in gleich drei Rollen verkörpern.

Spannungsgeladen ist das inszeniert. Mutig folgt das Ensemble dem Autor zu einem Verbrechen, über das im realen Leben kaum gesprochen wird.

Nächste Aufführungen: 16., 19., 24., 29. und 30. Oktober, jeweils 20 Uhr, Berliner Kriminaltheater, Palisadenstraße 48, Friedrichshain; Ticket-Telefon: (030) 47 99 74 88. www.kriminaltheater.de

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