Werbung

Palmer: nicht witzig

Warum Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) mit einem satirisch gemeinten Beitrag zur Bayernwahl irritierte

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wollte auf Satiriker machen: Boris Palmer
Wollte auf Satiriker machen: Boris Palmer

Die bekannte Satireseite der-postillon.com veröffentlicht immer wieder Leserbriefe von Menschen, die überzeugt sind, dass es sich bei dem Portal um ein ernsthaftes Nachrichtenangebot handelt. Kurze Aufmerksamkeitsspannen, gerade in den sozialen Netzwerken, führen dazu, dass die Quelle eines Berichtes übersehen wird. Kompliziert wird die Sache, sobald solche Satiremeldungen aus Quellen stammen, die sonst eher frei von Humor sind.

So ist Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) bisher nicht durch seine Satirefähigkeit aufgefallen. Vergangenen Sonntag, noch während die Grünen in Bayern auf ein Rekordergebnis hofften, wollte Palmer offenbar seinen humoristischen Einstand geben. Die wahlkämpfenden Parteikollegen dürften darüber wohl nicht gelacht haben. Via Facebook verbreitete Palmer eine angebliche »Eilmeldung« der Nachrichtenagentur dpa, wonach Angela Merkel und Horst Seehofer »mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern als Vorsitzende der CDU und der CSU zurücktreten« würden, um »einen Neuanfang für Deutschland, Bayern und die Union« zu ermöglichen. Beobachter würden dies »als Eingeständnis des Scheiterns in der Flüchtlingsfrage« deuten, so Palmer in seiner Fake News. Nachdem sich Leser über Palmers Meldung empört gezeigt hatten, schob Palmer eine Erklärung nach, wonach das Kürzel BP für seine Initialen stehe, was wohl die angebliche »Eilmeldung« als Satire kennzeichnen sollte.

Auch die dpa-Redaktion sah sich veranlasst, festzustellen, dass es sich bei der Meldung des Tübinger OB um Satire handelt. Chefredakteur Sven Gösmann veröffentlichte sogar eine Stellungnahme, in der er Palmer nicht frei von Ironie kritisiert: »Jeder blamiert sich eben in einer freien Gesellschaft im Rahmen des Rechts, wie er möchte. Deshalb kommentieren wir normalerweise auch verkrampfte Satire-Gehversuche von Kommunalpolitikern nicht«, so Gösmann. Im Fall von Palmer sei dies aber nötig gewesen, da wir in Zeiten leben, »in denen die Glaubwürdigkeit von Medien regelmäßig angezweifelt wird«, noch dazu, weil Amtsträger mit Satire »verantwortungsvoll« umgehen sollten.

Gegenüber der Plattform faktenfinder.tagesschau.de erklärte Palmer, dass er nur von AfD-Anhängern Reaktionen erhalten habe, diese würden die Meldung glauben. Er selbst sehe seinen Beitrag als Satirelehrstück, »dass man nicht einfach glauben sollte, was man glauben will, ohne es zu prüfen«. Die Medienwissenschaftlerin Anna Wagner erklärt im Tagesschau-Interview jedoch, dass Satire häufig in einem Rahmen stattfinde, in dem die Beteiligten erwarten können, dass es sich nicht um eine reale Meldung handelt. »Von einem Jan Böhmermann erwartet man beispielsweise satirische Äußerungen«, so Müller. Anders verhalte es sich bei Politikern. »In diesem Rahmen erwarte das Publikum, dass der Politiker auch tatsächlich seine ursprüngliche Rolle erfülle.« Wenn aber Hinweise fehlen, dass eine Aussage als Satire gemeint ist, werde diese auch nicht als solche wahrgenommen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen