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Mindestens zwei Tote bei Untergang von Flüchtlingsboot in der Ägäis

Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten / »Sea-Watch 3« hat am Wochenende Malta verlassen

  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Seenotrettung auf dem Mittelmeer istseit Monaten eingeschränkt.
Die Seenotrettung auf dem Mittelmeer istseit Monaten eingeschränkt.

Ankara. Beim Untergang eines Flüchtlingsboots vor der türkischen Küste sind am Montag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte retteten nach dem Unglück vor der Küste von Bodrum im Südwesten der Türkei zunächst 17 Flüchtlinge, wie die Küstenwache mitteilte. Drei weitere Menschen, die selbst ans Ufer geschwommen waren, wurden ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Zwei Flüchtlinge seien aber später im Krankenhaus gestorben.

Die Rettungskräfte suchten noch nach mehreren Vermissten. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und der Sender NTV berichtete, waren fast 30 Menschen auf dem Boot. Die Flüchtlinge wollten demnach vermutlich auf die griechische Inseln Kos gelangen. Zur Nationalität der Flüchtlinge äußerten sich die türkischen Behörden nicht.

In der Türkei haben mehr als drei Millionen Syrer und 300.000 Iraker Zuflucht gefunden. Seit dem Abschluss eines Abkommens mit der EU im März 2016 ist die Zahl der Flüchtlinge, die von der Türkei auf die griechischen Ägäis-Inseln zu gelangen versuchen, deutlich zurückgegangen. Seit Jahresbeginn trafen nach Angaben der griechischen Regierung aber mehr als 21.700 Flüchtlinge ein - und damit deutlich mehr als die 17.500 im gesamten Jahr 2017.

Rechtsverstöße in der Ägais dokumentieren
Aktivist Roman Kutzowitz über das neue zivilgesellschaftliche Beobachtungsprojekt »Mare Liberum« im östlichen Mittelmeer

Erst am Samstag hatte an anderer Stelle die griechische Küstenwache knapp 200 Migranten gerettet. Im Ionischen Meer südwestlich der Insel Kefalonia seien 70 Menschen an Bord eines Flüchtlingsbootes entdeckt worden, berichtete der Staatsrundfunk ERA. Die Migranten hätten zuvor ein Notsignal per Telefon absetzen können. Weitere 128 Migranten wurden nach Angaben der Küstenwache in der Ägäis aufgegriffen, als sie aus der Türkei zu den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos übersetzten. Fast täglich entdeckt die griechische Küstenwache Boote mit Migranten in der südlichen Ägäis, rund um Kreta sowie im Ionischen Meer.

»Sea-Watch 3« hat Malta verlassen

Unterdessen erhielt das deutsche Rettungsschiff »Sea-Watch 3« drei Monaten nach seiner Festsetzung die Genehmigung, Malta zu verlassen. Das Schiff verließ am Samstag den Hafen von Valetta und fuhr zunächst für Routinearbeiten in eine spanische Werft, wie die Hilfsorganisation zur Seenotrettung von Flüchtlingen »Sea-Watch« in Berlin mitteilte.

Das 50 Meter lange, niederländisch geflaggte Rettungsschiff »Sea-Watch 3« war am 2. Juli von der maltesischen Regierung daran gehindert worden, den Hafen zu verlassen. Grund waren nach Angaben der Hilfsorganisation die parallel eingeleiteten Ermittlungen gegen den Kapitän des deutschen Rettungsschiffes »Lifeline«, Claus-Peter Reisch, in der maltesischen Hauptstadt Valletta. Malta gab an, bei den beschlagnahmten Schiffen Registrierungsfragen klären zu müssen. Die niederländische Regierung bestätigte die korrekte Registrierung der »Sea-Watch 3« Anfang August.

Todesrate auf dem Mittelmeer so hoch wie nie
Die Blockade der Häfen durch die italienische Regierung lässt die Todeszahlen im Mittelmeer steigen.

»Es ist höchste Zeit, dass die maltesischen Behörden unser Schiff freilassen«, erklärte der Vorstandsvorsitzende von »Sea-Watch«, Johannes Bayer. »Über 500 Menschen sind im Mittelmeer ertrunken, seit unsere Schiffe beschlagnahmt wurden - vermutlich viele mehr, von deren Schicksal an der tödlichsten Grenze der Welt niemand mitbekommen hat, weil niemand vor Ort war, um zu berichten.«

Der Prozess gegen »Lifeline«-Kapitän Reisch war Anfang Oktober zum wiederholten Male vertagt worden, er soll im November fortgesetzt werden. Bei dem Verfahren geht es um die Registrierung der »Lifeline«. Auch sie fährt nach Reischs Angaben unter niederländischer Flagge. Den maltesischen Behörden zufolge bestehen jedoch Zweifel an dieser Darstellung der Dresdner Hilfsorganisation.

Die »Lifeline« hatte im Juni erst nach tagelangem Tauziehen rund 450 vor der libyschen Küste gerettete Flüchtlinge nach Malta bringen dürfen, nachdem mehrere europäische Länder sich zu deren Aufnahme bereit erklärt hatten. Reisch droht in Malta eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr. Agenturen/nd

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