Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Mit Sorgen zur WM nach Doha

Bei den ersten Turnweltmeisterschaften in einem arabischen Land geht’s nicht nur um Medaillen - Simone Biles hat eine Mission

  • Von Andreas Frank, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer verletzt zu Hause, Altmeister Marcel Nguyen angeschlagen - in der Wüstenmetropole Doha erwartet die deutschen Kunstturner ab Freitag eine im wahrsten Sinne des Wortes heiße WM-Phase. Die ersten Weltmeisterschaften in einem arabischen Land sind nicht nur wegen der hohen Temperaturen nach zuvor heftigen Regengüssen eine echte Herausforderung. Wegen einer Fußverletzung kann Schäfer ihren im vergangenen Jahr in Montreal errungenen Titel am Schwebebalken nicht verteidigen. Noch ärger hat es den Freund der 21-Jährigen erwischt: Der Reckspezialist und solide Mehrkämpfer Andreas Bretschneider erlitt bei den Deutschen Meisterschaften im September in Leipzig einen Achillessehnenriss und muss sogar um einen Start bei den Weltmeisterschaften 2019 in Stuttgart bangen.

»Unser Weg nach Doha war nicht frisch asphaltiert, sondern sehr steinig«, sagt Bundestrainer Andreas Hirsch, der besonders seinen langjährigen Schützling Nguyen mit Sorgfalt durch die WM-Vorbereitung bringen musste: »Marcels angebrochene Rippe hat ihm ziemlich zu schaffen gemacht. Aber ich hoffe, er kann einen kompletten Mehrkampf turnen.« Schließlich erwies sich der mittlerweile 31-Jährige bei den nationalen Titelkämpfen nicht zum ersten Mal als bester Sechskämpfer. Überdies ist der zweimalige Barren-Europameister an diesem Gerät immer wieder für eine positive Überraschung gut.

Auf einen solchen Moment hoffen am Stufenbarren auch Sophie Scheder und Elisabeth Seitz. Ziehen die Olympiadritte aus Chemnitz und die letztjährige EM-Dritte aus Stuttgart ihre Weltklasseübungen voll durch, sind Finalplätze am Doppelreck keine Utopie. Cheftrainerin Ulla Koch: »Beide gehören ganz klar zur Weltspitze.«

Die Mannschaftsentscheidungen, üblicherweise im Mittelpunkt des Interesses, stehen im futuristischen Aspire Dome noch nicht wie gewohnt im Fokus. Denn eine Platzierung unter den ersten 24 Mannschaften, gleichbedeutend mit der Qualifikation für die WM in Stuttgart, ist für beide Riegen ein absoluter Selbstläufer. Ernst wird es erst im Oktober 2019, wenn in der Schleyer-Halle die Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben werden. Schon 2007, ein Jahr vor den Spielen von Peking, hatten die deutschen Gerätartisten den Heimvorteil genutzt und sich an gleicher Stelle für Olympia qualifiziert.

Viele Augen werden bei der WM in Doha auf Simone Biles gerichtet sein. Die Weltsportlerin des Jahres 2016 kehrt zwei Jahre nach ihrem Mehrkampftriumph in Rio und zehn Monate nach der Verurteilung des langjährigen US-Teamarztes Larry Nassar wegen sexuellen Missbrauchs auf die internationale Turnbühne zurück.

Die 21-Jährige, die als eine von vielen Leidensgenossinnen von dem Mediziner seelisch und körperlich missbraucht wurde, fühlt sich mittlerweile als Sportlerin mit einer ganz speziellen Mission. »Dieser Mann hat einen Teil von mir geraubt, den ich nicht wiederbekommen kann. Aber ich will jungen Mädchen zeigen, dass sie alles schaffen können, auch wenn es unmöglich scheint«, sagte Biles. SID/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln