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Zensur-Vorwurf nach Absage für »Feine Sahne«

Landtagsfraktionen in Sachsen-Anhalt streiten in einer Aktuellen Stunde über das Bauhaus-Konzert

  • Von Hendrik Lasch, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Absage eines vom ZDF im Bauhaus Dessau geplanten Konzerts von Feine Sahne Fischfilet hat für eine heftige Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt gesorgt. Die LINKE warf der Landesregierung einen »fundamentalen Eingriff in die Kunstfreiheit und Programmhoheit« eines öffentlich-rechtlichen Senders vor. »Was hier stattgefunden hat, ist nichts anderes als Zensur«, sagte Stefan Gebhardt, Kulturexperte der Fraktion. Er verwies auf Äußerungen eines Sprechers der Landesregierung, der erklärt hatte, die Einladung des ZDF für die Punkband sei »schwer bis nicht nachvollziehbar«. Zudem kritisierte er die Rolle von Rainer Robra, der Chef der Staatskanzlei und zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates des Bauhauses ist.

Der CDU-Politiker nannte den Vorwurf der Zensur »abwegig«. Er erklärte, von Bauhaus-Direktorin Claudia Perren konsultiert worden zu sein; diese habe die Entscheidung zur Absage des Konzerts aber allein getroffen. Für die Grünen forderte der Abgeordnete Sebastian Striegel eine kurzfristige Sondersitzung des Stiftungsrates. Dort müsse geklärt werden, »wie es jetzt weitergeht - personell und inhaltlich«.

Das Konzert sollte am 6. November im Rahmen einer Reihe »ZDF@Bauhaus« stattfinden, die seit 2011 in der Mensa des Dessauer Bauhauses aufgezeichnet wird. Am 18. Oktober war es abgesagt worden - zunächst unter Verweis auf drohende Demonstrationen von Rechtsextremen. Zudem war das Haus in einer Erklärung als »unpolitisch« dargestellt worden. Diese Haltung sorgte im Landtag für Entsetzen. »Wo sind Courage und Rückgrat des Bauhauses und seiner Leitung?«, fragte der SPD-Politiker Holger Hövelmann. Striegel sagte, wer das Bauhaus zu einem »unpolitischen Architektenklub verzwergt«, verrate dessen Ideale. Gebhardt warf Perren »geschichtsvergessenes Handeln« vor.

In einem Interview mit der »Zeit« hatte die Direktorin des Bauhauses argumentiert, man habe Rechtsradikalen »keine Plattform bieten« und die Substanz des Hauses schützen wollen. Dabei handelt es sich um eine Welterbestätte der Unesco. Robra verwies auf einen Vertrag zwischen ZDF und Bauhaus, das den Sender verpflichte, das Gebäude »vor Beschädigungen zu bewahren«.

Zugleich rechtfertigten Robra sowie weitere Redner von CDU und AfD die Absage des Konzerts mit der politischen Haltung von Feine Sahne Fischfilet. Der CDU-Politiker Detlef Gürth sprach von einer »radikalen, gewaltverherrlichenden Band«, der AfD-Mann Marcus Spiegelberg von einer »linksextremen Hetzband«. Robra verwies auf Liedtexte, in denen Polizisten attackiert werden. Er nannte es unzumutbar, dass Polizisten womöglich ein solches Konzert schützen sollten. Zudem warnte Robra, ein Auftritt der Band könne das Bauhaus zum »Spielball für Begehrlichkeiten beider Seiten« machen. Wie das gemeint ist, verdeutlichte sein Fraktionskollege Lars-Jörn Zimmer. Er verglich die Konzertabsage für Feine Sahne Fischfilet mit einem Auftrittsverbot für die Naziband »Kategorie C« bei einem rechtsextremen Aufmarsch kürzlich in Köthen.

Gebhardt wies die Analogie zurück und erklärte, durch die Debatte um das abgesagte Konzert »neue musikalische Helden« gefunden zu haben. Diese spielen am 6. November voraussichtlich im Theater Dessau.

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