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Ein Krieger im Schützengraben

Personalie: Der »Bild«-Chefredakteur erhält die »Goldene Kartoffel« der Initiative Neue deutsche Medienmacher

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

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Schlechte Schauspieler erhalten die »Goldene Himbeere«, tricksende Lebensmittelhersteller einen Windbeutel und seit neuestem gibt es auch einen Schmähpreis für Journalisten, die sich statt um Aufklärung darum bemühen, Vorurteile und Ressentiments zu kultivieren. Dass die erste »Goldene Kartoffel« der Initiative Neue deutsche Medienmacher an Julian Reichelt geht, ist zugleich eine Kritik an der inhaltlichen Entwicklung der »Bild«, deren Kurs der 38-Jährige als Chefredakteur maßgeblich bestimmt. Und Reichelt hat es in kurzer Zeit geschafft, das zaghafte Pflänzchen einer Öffnung des Boulevardmediums aus dem Hause Axel Springer hin zu einer offenen, bunten Gesellschaft rücksichtslos zu planieren.

Noch 2016 feierte sich das Blatt für seine Initiative »Wir helfen« und erklärte in seiner unnachahmlichen Selbstgefälligkeit, stets nicht weniger als die Meinung des sogenannten Volkes zu verkünden: »Deutschland setzt ein Zeichen: Flüchtlinge, willkommen!« Reichelt war da schon Chef des Onlineablegers bild.de, seit 2017 ist er auch für die Printausgabe zuständig, deren verkaufte Auflage allein innerhalb des letzten Jahres um elf Prozent zurückging.

Und weil der herrschende Zeitgeist gerade scharf gegen die vielfältige Gesellschaft bläst, erinnerte sich der Absolvent der Axel-Springer-Akademie an jene Epoche, als das Blatt im Kampf gegen die 68er-Bewegung ein klares Schwarz-Weiß -Denken vertrat.

»Bild« stehe unter Reichelts Ägide »für Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache, wenn es um die Themen Integration, Migration und Asyl geht«, so die Neuen deutschen Medienmacher. Dass diese Einschätzung keinesfalls nur von den üblichen Kritikern kommt, bewies zuletzt Michael Spreng.

»Seit Monaten bespielt ›Bild‹ die politische Agenda der AfD«, warnte der Ex-Chef der »Bild am Sonntag«. Reichelt habe offenbar »eine Truppe von selbsternannten Kriegern um sich geschart, die glauben, sie lägen im Schützengraben und müssten nicht nur die Kanzlerin, sondern auch den liberalen Rechtsstaat sturmreif schießen.«

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