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Fußballfest mit Zwischenfällen

BVB und Hertha trennen sich 2:2 in Dortmund, Ultras greifen im Stadion Polizisten an

  • Von Daniel Theweleit, Dortmund
  • Lesedauer: 4 Min.

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Immerhin die Berliner konnten sich leidenschaftlich freuen, nach einem Fußballspiel, das genug Stoff bot, um einen kleinen Band bunter Erzählungen zu füllen. Ein Heldenstück über Salomon Kalou dürfte zum Beispiel nicht fehlen, der Berliner Angreifer hatten trotz der vielen Erfolge in der ersten Phase der Saison noch keinen einzigen Treffer erzielt, nun waren ihm beim 2:2 von Hertha BSC in Dortmund beide Tore gelungen. In einer Geschichte könnte Mario Götze gefeiert werden, der wie schon drei Tage zuvor gegen Atlético Madrid ein hervorragendes Spiel der Sturmspitze gemacht hatte. »Er findet Lösungen für die anderen, er hilft viel in der Defensive, er läuft viel, presst, das ist sehr gut«, sagte Trainer Lucien Favre. Dann war da noch Jadon Sancho, der beide Dortmunder Tore geschossen hat, nach dem ehemaligen Hamburger Heung-Min Son ist der 18-Jährige nun der zweitjüngste ausländische Spieler der Bundesligageschichte, der in einer Partie doppelt traf. Vor allem aber diskutierten die Dortmunder nach dem Abpfiff über Dan-Axel Zagadou.

Der 19-jährige Innenverteidiger spielt seit Wochen unglaublich souverän, raubt einem prominenten Stürmer nach dem anderen den Nerv, trägt mit einem brillanten Passspiel zum Aufbau bei, auch gegen Berlin war der Franzose großartig. In der Nachspielzeit ließ er sich allerdings zu einem Foul an Davie Selke im Strafraum hinreißen, was den BVB um den Sieg brachte. »Ein bisschen naiv« habe der Tabellenführer in der Schlussphase agiert, als es darum ging, den knappen 2:1-Vorsprung über die Zeit zu retten, sagte Kapitän Marco Reus. In den kommenden Tagen und Wochen wird die Frage diskutiert werden, ob sich in solchen Fehlern die Schattenseite des freudvollen und von der Unbekümmertheit der vielen jungen Dortmunder Profis getragenen Fußballs zeige. Und jenseits dieser Geschichten vom Rasen gab es da noch die Ausschreitungen in der ersten Halbzeit, die es in dieser Form in der Bundesliga schon sehr lange nicht mehr gab.

Eine behelmte Polizeieinheit war nach rund zehn Minuten in den Bereich zwischen dem Gästeblock und dem Spielfeld eingelaufen, es kam zu einem Gewaltausbruch, der die Freude an diesem wunderbaren Fußballspiel bis zum Abpfiff spürbar eintrübte. Zuvor hatte die Berliner Ultragruppierung »Hauptstadtmafia« ihr 15-jähriges Bestehen mit dem Abbrennen von Pyrotechnik gefeiert, durch die starke Rauchentwicklung hätten sich »zehn unbeteiligte Besucher der Veranstaltung mit Verletzungen der Atemwege« ärztlich behandeln lassen müssen, teilte die Polizei später am Abend mit. Die Ultras hatten - wie in solchen Fällen üblich - ein großes Banner verwendet, unter dem sie sich vor dem Abbrennen ihrer Feuerwerkskörper vermummten, um später nicht über Kameraaufnahmen identifizierbar zu sein.

»Nachdem die Fahne im Anschluss durch die Berliner vor dem Block abgelegt wurde, sollte diese zur Verhinderung weiterer Straftaten sichergestellt werden«, heißt es in der Stellungnahme der Polizei. Das führte zur Eskalation. »Nach der polizeilichen Intervention wurden zwei große Sanitäranlagen komplett zerstört und einschreitende Polizeikräfte mit zerstörter Sanitärkeramik, abgetretenen Toilettentüren und abgebrochenen Fahnenstangen durch vermummte Straftäter erneut angegriffen«.

Das halbe Stadion schaute zwischen der zehnten und der 20. Minute auf die Schlacht vor dem Gästeblock, und nicht wenige Dortmunder Zuschauer unterstützten die Berliner Gewalttäter, indem gemeinsam »Alle Bullen sind Schweine« gesungen wurde. Als die Lage beruhigt war, stellten der Berliner Block aber auch ein Teil der berühmten gelben Wand ihre Unterstützung komplett ein. Die Vorkommnisse seien »eine Katastrophe«, sagte Hertha-Manager Michael Preetz, Pyrotechnik und Gewalt gehörten nicht in ein Fußballstadion, »insofern ist das heute eine ganz bittere Stunde für den deutschen Fußball und insbesondere für Hertha BSC«. Am Abend versprach der Klub dann in einem Schreiben, »alles daran zu setzen, die Störer zu identifizieren«, zwischen den Zeilen wurden aber zugleich Zweifel am Vorgehen der Polizei erkennbar. »Noch schlimmer« als das Abbrennen des Feuerwerks seien »die Gewaltszenen gegenüber der Polizei«, man werde »auch die Gründe für den Polizeieinsatz mit den Ordnungskräften« analysieren.

Am Ende der Auseinandersetzungen war von 45 Verletzten die Rede, 35 davon als Folge des Tränengaseinsatzes der Beamten. Sanitäter kamen in den Block, um auch Unbeteiligte zu behandeln, die unter den Folgen des Gaseinsatzes litten. Der Umgang mit den sogenannten Fans, die Pyrotechnik abbrennen, bleibt hoch kompliziert. Zwar handelt es sich um eine Straftat, dagegen vorzugehen, führt aber fast zwangsläufig zur Eskalation wie am Samstag, zu vielen Verletzten, zu hässlichen Szenen. Es ist eine Lose-Lose-Situation, genau deshalb sieht die Polizei in der Regel tatenlos zu, wenn Feuerwerk in den Kurven der Stadien brennt. An diesem Nachmittag war zu sehen, was passiert, wenn die Sicherheitskräfte anders agieren.

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