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Hoffnungsträger ohne Infrastruktur

Flüssiggas soll die Zukunft der Gasversorgung sein, doch noch kann es nirgendwo anlanden

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Bernd Buchholz kann Politikersprech. »Luftreinhaltung« ist so ein Wort, und »Brückentechnologie«. Auf dem 7. Hafenentwicklungsdialog der norddeutschen Länder verband Schleswig-Holsteins Verkehrsminister (FDP) beides: »Luftreinhaltung ist ein wichtiges Thema - wir tragen dazu bei, indem wir die Brückentechnologie LNG unterstützen.« Flüssiges Gas hält nicht allein FDP-Minister Buchholz für einen unterschätzten Klimaschützer. Unter den fossilen Energieträgern erzeugt Gas bei der Verbrennung am wenigsten CO2. Dadurch ist es weit umweltverträglicher als Kohle oder Öl. Dies interessiert aktuell besonders die maritime Wirtschaft, Häfen und Schifffahrt. Doch in der Bundesrepublik gibt es bislang nicht ein einziges Terminal, an dem LNG aus den USA oder Katar angelandet werden könnte.

Weltweit ist die Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas im vergangenen Jahr um 29 Millionen Tonnen auf 293 Millionen Tonnen rasant gestiegen. Eine solche Menge Gas reicht aus, um Strom für etwa 500 Millionen Haushalte zu erzeugen. »Ausgehend von den derzeitigen Erwartungen sieht Shell potenzielle Versorgungsengpässe Mitte der 2020er Jahre, wenn nicht bald weitere Produktionszusagen gemacht werden«, heißt es im »LNG Outlook« von Shell.

Japan bleibt mit weitem Abstand der größte Importeur von »Liquefied Natural Gas«, kurz LNG. Das Inselreich ist auf Energieimporte auf dem Seeweg angewiesen und betreibt damit Autos, Heizungen und Kraftwerke. China ist inzwischen weltweit die Nummer zwei. Die Regierung will die Luftverschmutzung durch Umrüsten von Kohle auf Gas verringern. China, Japan und Südkorea stehen für zwei Drittel der globalen LNG-Nachfrage.

Auf Produzentenseite ist bis heute der kleine Golfstaat Katar Vorreiter. Dieser hat sich nahezu ausschließlich auf Flüssiggas verlegt, um seine riesigen Erdgasvorkommen exportieren zu können - lange galten diese nur als Abfallprodukt bei der Ölförderung. Dazu wird nun normales Erdgas auf bis zu minus 164 Grad abgekühlt und dadurch eingeschrumpft. Komprimiertes Gas lässt sich dann auf der Straße, auf der Schiene und auf dem Wasser transportieren.

Auch andere Gasförderländer haben ihre Chance erkannt, neue Absatzmärkte auf dem Seeweg zu erschließen. Die OPEC der Gasindus-trie, das »Gas Exporting Countries Forum«, zählt mittlerweile 13 größere Staaten. Bislang exportieren die Förderländer hauptsächlich per Pipeline. Doch zukünftig soll LNG eine entscheidende Rolle spielen: Der europäische Gaskonzern BP erwartet, dass »die LNG-Volumina in den frühen 2020er Jahren höher sein werden als die interregional per Pipeline transportierten Liefermengen«. Große verwertbare Vorkommen warten auch in den USA, Australien und Russland.

Um ein großes LNG-Terminal - die Kosten dürften zunächst etwa 500 Millionen Euro betragen - konkurrieren drei Standorte: Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade. Von dort aus könnte das Gas in vorhandenen Pipelines verteilt werden. Deutschland würde dadurch seine Energielieferungen diversifizieren und wäre weniger abhängig von russischem Gas, so ein weitverbreitetes Argument. Außerdem käme die Industrie vor Ort als Abnehmer infrage.

Die LNG Stade GmbH, die australische Bank Macquarie und der US-Konzern Dow Chemicals beantragten vor Kurzem Fördergelder vom Bund. US-Botschafter Richard Grenell soll bei der Antragsübergabe in Berlin dabei gewesen sein. Das niedersächsische Terminal könnte von Ende 2020 an liefern. Auch im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel, einem großen Chemiestandort, laufen Vorbereitungen auf Hochtouren. Dort schlossen die Betreiber im Oktober einen Bund mit RWE.

Gegenwind für seine LNG-Begeisterung kriegt der Kieler FDP-Minister Buchholz nicht allein von der linken Opposition, sondern auch aus Reihen seines Koalitionspartners, den Grünen. Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, will »keine Steuergelder in LNG-Terminals versenken«. Die Regierung solle lieber bessere Rahmenbedingungen für Power-to-Gas-Technologien schaffen. Dabei wird aus Wasser und Strom Gas erzeugt. Allerdings laufen hierzulande erst einige Pilotprojekte mit einer Leistung von insgesamt rund 20 Megawatt, was lediglich der Leistung von zwei, drei Windmühlen entspricht.

Am Ende dürften mehrere LNG-Terminals in Deutschland gebaut werden. Der plötzliche Hype wird von Beobachtern mit dem Druck des US-Präsidenten Donald Trump auf die EU in Verbindung gebracht. Trump ist der Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 nach Russland ein Dorn im Auge. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte im Juli größere Erdgasimporte aus Amerika zugesagt, um Trump im Handelsstreit zu besänftigen.

Allerdings werden hierzulande schon seit mehr als einem Jahrzehnt Pläne für LNG-Terminals geschmiedet. Daher dürfte es jetzt auch ganz schnell gehen. Bislang scheiterten Projekte am Preis: LNG-Gas ist noch deutlich teurer als Pipeline-Gas. Eine Flut aus Fracking-Gas aus den USA dürfte den Markt allerdings in absehbarer Zeit umkrempeln.

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