Peter Hacks - Leben und Werk

Ein Streifzug durch die Zeitgeschichte

Wenn ein backsteindickes Buch mit gleich zwei Lesebändchen ausgeliefert wird, hat das etwas zu bedeuten: Dieses Buch will mehrfach gelesen werden, mit Vor- und Rücklauf, Querverweisen, Zitierungen, allein das Quellenregister zählt 32 Seiten. Dennoch oder gerade deswegen ist Ronald Weber die Kunst gelungen, eine ausgesprochen kurzweilige Lektüre vorzulegen, für die sich das Wort Fleißarbeit verbietet. Das liegt sicher auch am Gegenstand seiner Arbeit, denn der 1928 geborene Peter Hacks war keiner, dem die stille Fron lag, er war ein Mann der Bühne, der öffentlichen wie privaten, der das Leben in vollen Zügen genoss, dem nichts ferner war als ein Pflichtsozialismus. Seiner Frau Anna Wiede ist er treu verbunden, und er hat etliche Affären mit Männern und Frauen. Er ist Gast und Gastgeber von Künstlerfeiern, gibt sich dem Small Talk hin und ist ein fleißiger Arbeiter am Bau einer neuen Klassik, die der Weimarer Klassik in nichts nachstehen soll. Er huldigt der Vernunft und der menschengerechten Ordnung und spottet über »Preußens dünkelhafte Kommunisten«. Er pflegt intensive Kontakt zur kritischen Künstlerszene der DDR und ist maßlos verletzt, als der Freund und Mitstreiter Hartmut Lange sich in den Westen absetzt, weil die Geschichte des Sozialismus eben auch die Geschichte psychopathologischer Verbrecher wie Stalin ist. Das sei nicht Grund genug, dem Sozialismus den Rücken zu kehren. Den Sturz Ulbrichts durch Honecker deutet er (im Rückblick) hellsichtig als die Wende vor der Wende. Auch wenn die Kulturpolitik der SED sich liberalisierte, war der Anspruch einer ökonomischen Modernisierung als Basis erfolgreicher Kulturarbeit dahin. »Jetzt kommt die Einheitssauce, die Schlamperei und der Vulgärmaterialismus«, so Hacks, die diesem Staat letztlich das Genick gebrochen haben. Prall gefüllt mit bekannten und unbekannten Zeitgenossen ist dieser Band, mit Theater- wie politischen Geschichten, ein Kompendium einer turbulenten Epoche, die man sich wieder und wieder vor Augen halten sollte, um daraus zu lernen für eine turbulente Gegenwart - und darin vergleichbar dem ebenso ingeniösen »1965 - Der kurze Sommer der DDR« von Gunnar Decker. mps

Ronald Weber, Peter Hacks: Leben und Werk, 608 Seiten, geb. mit Schutzumschlag, Eulenspiegel Verlag, 39 Euro