Werbung

Deutschland liegt bei Bildungsgerechtigkeit weit hinten

Grüne: Ende des Kooperationsverbotes würde bessere Bildung ermöglichen

  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin. Deutschland liegt in einer Rangliste zur Bildungsgerechtigkeit für Kinder in Industrieländern nur im unteren Mittelfeld. Von 41 untersuchten Staaten belegt Deutschland Rang 23, wie aus einer Untersuchung des Kinderhilfswerks UNICEF hervorgeht, die am Dienstag in Köln vorgestellt wurde. Lettland steht an der Spitze des Rankings, Bulgarien und Malta sind die Schlusslichter. Die Grünen mahnten mehr Engagement in der Bildungspolitik an. Man müsse entschiedener dagegen vorgehen, dass in Deutschland Bildungserfolg noch immer stark von der Herkunft der Kinder abhänge.

Die Studie »Ein unfairer Start ins Leben« wurde erarbeitet vom UNICEF-Forschungszentrums Innocenti. Ausgewertet wurden Daten der EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Verglichen wurden die frühkindliche Förderung sowie die Angebote in der Grundschule und in der Sekundarstufe. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, in welchem Maße Faktoren wie der Berufsstand der Eltern, der Migrationshintergrund, das Geschlecht sowie die unterschiedlichen Schulformen Ungleichheiten hervorrufen oder beeinflussen.

Der familiäre Hintergrund erwies sich in allen untersuchten Ländern als entscheidender Faktor für den Bildungserfolg des Nachwuchses, wie es hieß. In 16 Staaten gehen zum Beispiel Kinder aus den ärmsten Familien seltener in Kindertageseinrichtungen als Kinder aus den wohlhabendsten Familien. In Deutschland beispielsweise kann sich bei gleichem Leistungsniveau jeder vierte Jugendliche aus einer bildungsnahen Familie vorstellen, eine weiterführende Schule zu besuchen, verglichen mit knapp jedem siebten Jugendlichen aus einem bildungsferneren Elternhaus.

In 21 von 25 Ländern mit hohen Migrationsraten erzielen 15-jährige Schüler der ersten Zuwanderergeneration laut Studie klar schwächere Leistungen in der Schule als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund. In 15 Ländern bestehen diese Leistungsunterschiede auch zwischen zugewanderten Kindern der zweiten Generation und Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund fort. In Australien und Kanada schneiden zugewanderte Kinder der zweiten Generation hingegen besser ab als Kinder ohne Migrationshintergrund.

Die Experten nennen Grundprinzipien für mehr Bildungsgerechtigkeit, an denen sich die Politik orientieren sollte. Dazu gehört etwa, frühkindliche Förderung für jedes Kind zu gewährleisten. Denn diese Angebote »können die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten verringern, die die Chancengleichheit von benachteiligten Kindern oftmals langfristig einschränken«.

Zudem müsse ein Mindestmaß an Kernkompetenzen für alle Mädchen und Jungen sichergestellt werden. Diese grundlegenden Fähigkeiten würden benötigt, um erfolgreich an der Gesellschaft teilhaben zu können. »Das ist eine Grundvoraussetzung für ein gerechtes Bildungssystem«, betonen die Fachleute. Zudem empfehlen die Autoren der Studie, die soziale und ökonomische Ungleichheiten weiter zu reduzieren. Das könne geschehen, indem eine Kombination von finanzieller Unterstützung und öffentlichen Dienstleistungen genutzt werde.

»Die Erkenntnis ist leider nicht neu und wird von jeder Studie aufs Neue bestätigt: Der Bildungserfolg ist in Deutschland viel zu stark an die Herkunft gekoppelt«, sagte Margit Stumpp, Sprecherin der Grünen für Bildungspolitik: »Wir müssen endlich entschieden dagegen vorgehen. Ein forcierter Ganztagsausbau sorgt für längeres gemeinsames Lernen. Multiprofessionelle Teams entlasten Lehrkräfte, fördern individuell und erhöhen die Unterrichtsqualität.«

Zudem müsse das Kooperationsverbot zwischen Bund und Kommunen fallen. Vielmehr brauche es klare und langfristige Vereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen, um gemeinsam für wirkliche Chancengerechtigkeit zu sorgen. »Das Zuständigkeitsgerangel auf Kosten der Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler muss ein Ende haben.« epd/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!