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Siemens kehrt zu den Wurzeln zurück

Konzern investiert am Standort in Spandau rund 600 Millionen Euro für Zukunftscampus

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.

Es soll so etwas wie eine Blaupause für ein Stadtquartier der Zukunft werden. Wo Arbeit, Wohnen, Forschen, Gewerbe und industrielle Produktion zugleich möglich sein sollen. »Genau darum geht es in der Siemensstadt 2.0 - wir wollen Industrie 4.0 auch im sozio-ökonomischen Umfeld führend gestalten«, sagt Joe Kaeser, der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG. Insgesamt 600 Millionen Euro will der global agierende Konzern in Berlin-Spandau für das neue Stadtquartier am alten Produktionsstandort investieren. Mit der Entscheidung von Siemens, den Campus in Berlin zu errichten, hat sich der Konzern bewusst gegen eine Ansiedlung in Asien oder den USA entschieden. »Das Projekt ist ein langfristiges und in die Zukunft gerichtetes Bekenntnis zum Standort Deutschland«, heißt es.

Auf landespolitischer Ebene wurde die Entscheidung von Siemens am Mittwoch enthusiastisch aufgenommen. Bei einer Pressekonferenz am Morgen im Roten Rathaus erklärt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD): »Wir freuen uns sehr, dass eines der innovativsten Unternehmen, das seine Wurzel hier in Berlin hat, eine so große Investition in den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Berlin macht, um mit uns gemeinsam Möglichkeiten und Chancen dieser Entwicklung auszuloten.« Müller spricht von einem »wichtigen, bedeutungsvollen Tag für den Wirtschaftsstandort Berlin«.

Um Siemens zu überzeugen, liefen in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen zahlreiche Gespräche. Der Senat richtete extra eine Steuerungsgruppe für das Projekt ein. Deren schnelle Arbeit hinterließ beim Konzernvorstand offenbar Eindruck. »Der Senat von Berlin hat in vergangenen Wochen überzeugend dargelegt, dass er ein solches Großprojekt will und sehr gute Voraussetzungen dafür geschaffen, um die Entwicklung für beide Seiten zu einem Erfolg zu führen«, sagt Siemens-Vorstandsmitglied Cedrik Neike. Senatschef Müller ergänzt: »Die Berliner Verwaltung hat an dieser Stelle gezeigt, wie leistungsfähig sie ist.«

Doch nicht nur Überzeugungskraft war nötig, damit Siemens zu seinen Ursprüngen zurückkehrt, wo das Unternehmen vor rund 170 Jahren seinen Ausgang nahm. Vielmehr musste das Land Berlin auch Zusicherungen treffen, die die Ansiedlung begleiten werden. So gibt es beim Denkmalschutz eine Einigung, nach der zwar das Erscheinungsbild der historischen Industriebauten erhalten bleiben soll, aber im Innern hat Siemens freie Hand für die geplanten Modernisierungen. Auch beim Planungs- und Baurecht zeigt sich der Senat kooperativ: So wird aus einem Gewerbe- und Industrieareal ein sogenanntes urbanes Gebiet, wo auch Wohnen und Einkaufen möglich sein wird. Ein weiteres wichtiges Zugeständnis an Siemens ist die Verbesserung der verkehrlichen Anbindung. Berlin will beim Bund und der Deutschen Bahn darauf drängen, dass die Siemensbahn wieder reaktiviert wird. Dadurch soll das neue Quartier auch an die S-Bahn angebunden werden. Nicht zuletzt soll der Campus einen guten Breitbandanschluss bekommen, damit die Zukunftstechnologien wie beispielsweise das autonome Fahren oder dezentrale Energiesysteme vernünftig erprobt und genutzt werden können.

Als erste konkrete Maßnahme soll in der Siemensstadt von Siemens ein Wissenschaftscampus für rund

70 Millionen Euro errichtet werden. Dazu wurde ebenfalls am Mittwoch eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit dem Fraunhofer Institut und der Technischen Universität Berlin unterzeichnet. Danach sollen weitere Kooperationspartner und Gründer aus der Start-up-Szene einbezogen werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte, die sich der Konzern für seine kleine neue Zukunftsstadt mit dem Campus vorgenommen hat, sind die Entwicklung von Gastechnologien, sogenannte smarte Infrastruktur und die Elektromobilität.

Die »Siemensstadt 2.0« sieht aber auch die Errichtung von Wohnungen vor. Rund ein Drittel der 2500 Wohnungen soll mietpreisgebunden sein. Die Sorge »noch eine Rieseninvestition, noch höhere Mieten« ist unberechtigt, sagt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Es gehe nicht nur um ökonomische, sondern auch um soziale und ökologische Interessen.

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