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Zehntausende gegen Bolsonaro auf der Straße

Rechter Präsident Brasiliens will politische Gegner aus dem Land werfen

  • Von Niklas Franzen, São Paulo
  • Lesedauer: 3 Min.

Nur kurz hielt die Schockstarre an. Nach dem Wahlsieg von Jair Bolsonaro, der Brasiliens Linke in einen Zustand der Trauer und Panik versetzt hatte, sind am Dienstag (Ortszeit) in ganz Brasilien Zehntausende gegen den Rechtsradikalen auf die Straße gegangen. In São Paulo versammelten sich schon lange vor dem offiziellen Start der Demonstration Tausende auf der Prachtmeile Avenida Paulista. Zwei Tage zuvor hatten hier noch die Anhänger Bolsonaros den Wahlsieg gefeiert. Auch Rafael Granutti ist zusammen mit seinen Freund*innen gekommen, um ein Zeichen zu setzen. »Wir haben große Angst vor dem, was auf uns zukommt. Jetzt ist es wichtig zu zeigen, dass wir vereint sind.« Schon seit 2010 habe er sich immer wieder an Protesten gegen Rechts beteiligt.

Insbesondere Bolsonaros homo- und transphobe Aussagen schockierten den 25-jährigen LGBTI-Aktivisten, der sich eine Regenbogenfahne über die Schultern gehängt hat. Das Klima habe sich seit der Wahl verändert. Insbesondere in den sozialen Netzwerken tobe der Hass. Eine Freundin sei mitten in São Paulo angegriffen worden. Auch andernorts kam es nach der Wahl zu Übergriffen. So wurden eine indigene Schule und eine Arztpraxis im Bundesstaat Pernambuco in Brand gesetzt. Die Polizei des Bundesstaates Goiás ermittelt wegen der Gründung einer homophoben Terrorgruppe, die zum Mord an Homo- und Transsexuellen aufgerufen hat.

Brasilien protestiert gegen Bolsonaro

Und Bolsonaro? Der heizt die Stimmung weiter an. Von Mäßigung nach seinem Wahlsieg ist nichts zu spüren. Im Fernsehen bekräftigte er sein Vorhaben, soziale Bewegungen als terroristische Vereinigungen einstufen zu lassen und politische Gegner aus dem Land zu werfen. Carina Vitral, Präsidentin der Jugendorganisation der kommunistischen PCdoB, sagte »nd«: »Wir lassen uns nicht aus dem Land werfen und uns auch nicht verhaften. Bolsonaro wird mit einer starken Opposition zu rechnen haben.« Doch auch sie habe Angst, über Sicherheit werde nun viel diskutiert. »Die beste Art, sicher zu sein, ist sichtbar zu sein. Deshalb sind wir heute auf der Straße.«

Auch Medienvertreter*innen hat Bolsonaro erneut offen gedroht und erklärt, der zweitgrößten Tageszeitung »Folha de São Paulo« die Mittel zu streichen. Für den Fotojournalisten Anderson Viera, der den Protest mit der Kamera begleitet, stellt Bolsonaro eine »große Gefahr« dar. »Er wird versuchen, uns abzuschalten. Wir müssen sehr wachsam sein«, sagte der 29-Jährige am Rande der Demonstration, die im Laufe des Abends auf 50 000 Teilnehmer*innen anwächst. Beim Protest, der durch die Hochhausschluchten der Megametropole führte, wurden immer wieder Parolen gegen den Präsidenten skandiert. Viele Bewohner*innen solidarisierten sich spontan mit den Demonstrant*innen. An diesem Abend wurde deutlich: Viele Brasilianer*innen sind mit dem Wahlsieg von Bolsonaro unzufrieden und der Widerstand lebt.

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