Werbung

Türkei bombardiert nordsyrische Region

Kurden in Rojava müssen Kampf gegen IS-Stellungen stoppen / USA rufen Ankara zu besserer Absprache auf

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Türkei weitet ihre Angriffe auf die Demokratische Föderation Nordsyrien, auch bekannt unter dem Name Rojava, aus. Dörfer um die syrischen Grenzstädte Kobane und Tall Abyad stehen seit mehreren Tagen unter Beschuss. Auch am Donnerstag wurden Bombardements gemeldet. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu sollen bei den Einsätzen vier Kämpfer der kurdischen Miliz YPG getötet worden sein, lokale Journalisten berichten auch von toten Zivilisten.

Das kurdisch-arabische Militärbündnis Syrisch-Demokratische Kräfte hat als Reaktion auf die Angriffe seinen Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Osten Syriens vorerst eingestellt. »Die türkischen Angriffe im Norden und die IS-Attacken im Süden haben uns gezwungen, unsere Operation zeitweise zu stoppen«, erklärte die Allianz am Mittwoch. Falls die Türkei ihre Angriffe fortsetze, werde man den Kampf gegen den IS für eine »längere Zeit« aussetzen müssen. Die Syrisch-Demokratischen Kräfte erhoben schwere Vorwürfe gegen Ankara: »Wir bewerten die Attacken des türkischen Staates als direkte Unterstützung für den IS.« Die Bombardements seien offenbar mit einer Gegenoffensive der Islamisten koordiniert gewesen.

Die USA, Bündnispartner der Syrisch-Demokratischen Kräfte wie auch von Ankara, versuchen zu schlichten. Das türkische Vorgehen sei Anlass zu »großer Sorge«, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums. Die USA seien gegen »unilaterale Angriffe« in der Region, insbesondere wenn sich möglicherweise US-Soldaten in der Nähe aufhalten. Der Ministeriumssprecher rief die Türkei zu einer besseren Absprache auf. Man stehe mit allen Parteien in Kontakt, »um eine Eskalation zu verhindern«, fügte ein Sprecher der internationalen Anti-IS-Koalition hinzu.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht bereits seit Monaten mit einer Offensive auf die kurdischen Städte östlich des Euphrat. »Wir haben vor einigen Tagen unsere Intervention gegen diese Terrororganisation begonnen«, sagte der Präsident nun am Dienstag bei einem Treffen der Regierungspartei AKP. »Bald werden wir eine größere und effizientere Operation beginnen.«

Die Syrisch-Demokratischen Kräfte gehen seit Mitte September gegen die letzten eingekesselten IS-Stellungen vor. Mehrere Tausend Dschihadisten sollen sich in der am Euphrat gelegenen Kleinstadt Hadschin verschanzt haben. Nach ersten Erfolgen der Allianz hatten die IS-Kämpfer vergangene Woche während eines Sandsturmes eine Gegenoffensive gestartet. Die kurdisch-arabischen Milizen erlitten schwere Verluste und mussten sich daraufhin auf ihre Ausgangsposition zurückziehen.

In mehreren europäischen Städten fanden am Donnerstag Proteste gegen die türkischen Angriffe statt. In Deutschland gingen unter anderem in Essen, Stuttgart und Frankfurt am Main Demonstranten auf die Straße.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!