Werbung

Böse Überraschungen gibt’s nur vorm Stadion

Erstmals seit 30 Jahren erreichte kein Drittligist das Achtelfinale des DFB-Pokals. Aufsehen erregen indes Nürnberg-Fans in Rostock

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 3 Min.

Die zweite Runde des DFB-Pokals ist vorbei und siehe da: Kein unterklassiger Verein ist dabei, wenn im Februar das Achtelfinale des deutschen Pokalwettbewerbs ausgetragen wird. Elf Bundesligisten und fünf Zweitligisten werden um den Einzug in die Runde der besten Acht kämpfen. Ein Achtelfinale ohne Drittligisten gab es seit 30 Jahren nicht mehr.

Allerdings hielt so mancher Underdog lange mit den Großen mit, am Mittwoch beispielsweise der 1. FC Union Berlin beim vermeintlich übermächtigen Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund: Erst in der Verlängerung kassierten die Köpenicker das entscheidende 3:2 durch einen Elfmeter von Marco Reus in der 120. Minute. »Wir waren ganz nahe an einer Sensation«, urteilte Unions Trainer Urs Fischer später und schlug versöhnliche Töne an: »Die Freude und der Stolz überwiegen.«

Zuvor hatten die Berliner zwei Stunden lang tapfer gegen den Tabellenführer der Bundesliga angekämpft, bei dem Trainer Lucien Favre den Kader heftig umgebaut hatte. Gleich auf sieben Positionen war die BVB-Elf zweitbesetzt worden, wurde dann aber peu á peu um Leistungsträger wie Reus, Jaden Sancho und Axel Witsel ergänzt.

Am Ende reichte es für einen Last-Minute-Sieg der Borussen gegen gut eingespielte Unioner, für die der eingewechselte Sebastian Polter zweimal getroffen hatte. Die Rot-Weißen ließen sich denn auch trotz des Ausscheidens von 8000 mitgereisten »Eisernen« im Westfalenstadion feiern. Sie wurden sogar eigens durch eine Pforte in den Gästeblock gelassen - erfreuliche Szenen in einer Arena, in der sich noch am Sonnabend Hertha-Fans üble Scharmützel mit der Polizei geliefert hatten, nachdem die Beamten ihrerseits ziemlich maßlos in den Hertha-Block gegangen waren.

Doch das Pokalspiel am Mittwoch, das von der Polizei als Risikospiel eingestuft worden war, blieb weitgehend ruhig. 72 732 Zuschauern waren zum Auftritt des BVB gegen den Berliner Zweitligisten gekommen, auf zwei Spruchbändern allerdings spielten die Vorfälle vom Sonnabend noch eine Rolle: »Dann kommt doch, ihr Hunde«, richteten die BVB-Ultras der Dortmunder Polizei auf einem Spruchband aus. Auf einem anderen Plakat wurde die Polizei wegen des Hertha-Spiels kritisiert: »Eskalation bewusst herbeigeführt. Eure Hetze glaubt Euch nur die Presse!«

Wirklich unschöne Szenen spielten sich am Mittwoch rund um das Rostocker Ostseestadion ab, bevor die Drittliga-Kicker des F.C. Hansa den Bundesliga-Fußballern des 1. FC Nürnberg am Abend einen bravourösen Kampf liefern sollten.

Schon in der Nacht zu Mittwoch war die Heckscheibe des Nürnberger Mannschaftsbusses mit einem Stein eingeworfen worden. Am Vormittag des Spieltages versetzten dann fränkische Fußballfans die Hansestadt in Aufruhr. Zuerst bei einem Aufeinandertreffen zweier kleinerer Fangruppen, als sich ein Zivilpolizist genötigt sah, einen Warnschuss abzugeben. Niemand wurde dabei verletzt, wie die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern mitteilte.

Später marschierten dann etwa 330 Nürnberger Anhänger durch Rostock, bis es zu einer »gewalttätigen Auseinandersetzung« mit 50 Rostockern kam (Polizei MV). 311 Anhänger aus Nürnberg wurden in Gewahrsam genommen, Pyrotechnik, Reizgas, Schlagringe und als Kreditkarten getarnte Messer wurden konfisziert.

Als die festgesetzten »Glubberer« am Abend schließlich zu ihren Reisebussen geleitet wurden und gen Franken abreisten, mühten sich ihre Helden im Ostseestadion noch vor 23 900 Zuschauern gegen die Hanseaten, die in der ersten Runde bereits den VfB Stuttgart aus dem Pokal geworfen hatten. Es wurde ein mühsam erkämpfter Arbeitssieg: 4:2 im Elfmeterschießen gewann der Erstligist. Adam Zrelak (90. Minute) und Federico Palacios (103.) trafen, nachdem Pascal Breier (35. Minute) und Jonas Hildebrandt (95.) die Hanseaten jeweils in Führung gebracht hatten. »Das tut schon sehr, sehr weh«, trauerte Hansa Rostocks Kapitän Oliver Hüsing, »ich denke, wir waren ebenbürtig.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln