Blutweihnacht

Am späten Abend des 23. Dezember 1918 erinnert General Wilhelm Groener den Vorsitzenden des Rates der Volksbeauftragten Friedrich Ebert an ihr im November geschlossenes Bündnis und dringt darauf, »dass wir von der geringen Macht, die wir haben, auch wirklich Gebrauch machen«. Schloss und Marstall, die von 30 respektive 80 Matrosen der Volksmarinedivision besetzt sind, werden von 2000 Mann schwer bewaffneter Regierungstruppen umstellt, die am Morgen des 24. zum Angriff übergehen. Die Matrosen kidnappen daraufhin den Berliner Stadtkommandanten Otto Wels (SPD) und lassen ihn erst wieder frei, nachdem ihre Forderungen erfüllt sind. Der Versuch, die Revolution zu entwaffnen, endet mit einer blamablen Niederlage. Die Todesbilanz: 56 Regierungssoldaten und elf Matrosen. Die Weihnachtskämpfe besiegeln den Bruch zwischen SPD und USPD. Am 29. Dezember treten die drei USPD-Vertreter aus dem Rat der Volksbeauftragten aus. Seit 1988 befinden sich am Berliner Marstall, einst Domizil der heißblütigen Rosse und prunkvollen Kutschen preußischer Könige, zwei Bronzereliefs des DDR-Bildhauers Gerhard Rommel, die an die Weihnachtskämpfe 1918 erinnern - Karl Marx steht im Geiste den roten Matrosen bei. ves