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FC Sankt Pauli prüft rechtliche Schritte gegen Einsatzleitung

Fans des Fußballklubs Sankt Pauli saßen bis zu acht Stunden am Bielefelder Bahnhof fest

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 3 Min.

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Fußball: 2. Bundesliga, Arminia Bielefeld - FC St. Pauli, am Sonntag in der Schüco-Arena. Die Transparente der Fans aus Hamburg hängen verkehrt herum an den Zäunen vom Gästeblock des Stadions. Damit sollte auch im Stadion darauf hingewiesen werden, dass etwa 250 Fans das Stadion nicht erreicht hatten, sondern von der Polizei am Bielefelder Hauptbahnhof festgehalten wurden.
Fußball: 2. Bundesliga, Arminia Bielefeld - FC St. Pauli, am Sonntag in der Schüco-Arena. Die Transparente der Fans aus Hamburg hängen verkehrt herum an den Zäunen vom Gästeblock des Stadions. Damit sollte auch im Stadion darauf hingewiesen werden, dass etwa 250 Fans das Stadion nicht erreicht hatten, sondern von der Polizei am Bielefelder Hauptbahnhof festgehalten wurden.

Die FC Sankt Pauli Fans, die am vergangenen Sonntag zum Auswärtsspiel nach Bielefeld auf die Alm angereist waren, sind sauer. Sie kamen nie dort an. Bis zu acht Stunden waren sie am Bielefelder Bahnhof von der Polzei festgehalten worden. Ein kleines Trostpflaster für die Fans dürfte gewesen sein, dass trotz fehlender Unterstützung der Verein einen 2:1 Sieg mit nach Hause nehmen konnte. Am Montagnachmittag gab der Verein in einer Stellungnahme bekannt, dass er nun rechtliche Schritte gegen die Einsatzleitung prüfen werde.

Etwa 250 Fans des Hamburger Vereins waren am Sonntag mit einem Regionalzug von Osnabrück zum Spiel gegen Arminia Bielefeld angereist. Nach Angaben der Polizei habe es im Zug Auseinandersetzungen zwischen einigen Fans und den mitreisenden Beamten gegeben. Den Polizisten soll Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen worden sein, sie seien beleidigt und geschubst worden. Der Stellungnahme des Hamburger Vereins ist zu entnehmen, dass dies einen Pfeffersprayeinsatz im Zug zur Folge gehabt haben soll. Dieser wird in der Pressemitteilung der Polizei allerdings nicht erwähnt. Auf Nachfrage, zu welchen Straftaten es konkret während der Zugfahrt gekommen sei, sagte Carsten Bente von der Pressestelle der Polizei Münster gegenüber »nd«, er könne es aktuell nicht sagen.

Während eines regulären Halts in Melle habe die Polizei Personalien aufnehmen wollen, was zu einer Auseinandersetzung mit bislang unbeteiligten Fans geführt habe. Diese führte zu einer halbstündigen Sperrung der Strecke, da sich diverse Personen im Gleisbett aufgehalten haben sollen, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Es sei beschlossen worden eine »Bearbeitungsstrasse zur Täteridentifizierung« in Bielefeld einzurichten, um alle unmittelbar an der Auseinandersetzung im Zug und in Melle beteiligten Fans herauszufiltern und polizeilich erfassen zu können.

Lesen sie auch zum Thema: Verlogener Kampf. Warum das Vorgehen von Politik und Polizei gegen Fußballfans alle betrifft. Von Alexander Ludewig

Dazu mussten zusätzliche Einsatzkräfte per Hubschrauber eingeflogen werden. Für die 250 Fans hieß das allerdings, dass sie nicht wie geplant das Spiel ansehen konnten und alle ihre Personalien abgeben mussten. 22 Ermittlungsverfahren seien eröffnet worden, davon 18 wegen Landfriedensbruchs, so Bente. In der Pressemitteilung des FC Sankt Pauli weist der Verein darauf hin, dass die Fans während der Polizeimaßnahme kooperativ und friedlich waren. Und in der Pressemitteilung der Polizei sind keine weiteren Vorkommnisse auf dem Bahnhof in Bielefeld erwähnt.

Der Verein und der Fanladen kritisieren in ihrer gemeinsamen Erklärung darüber hinaus, dass Minderjährige mit festgesetzt worden seien und dass eine Versorgung durch Fanladen-Mitarbeiterinnen bis kurz vor Ende des »Kessels« gegen 19:20 Uhr verhindert worden sei. Außerdem seien Fans des FC Sankt Pauli, die das Stadion während des Spiels verlassen wollten, ohne Angabe von Gründen daran gehindert worden.

Solidarität mit den Fans gab es nach Abpfiff von der eigenen Mannschaft. Sie kreuzten zu den Fans im Stadion gewandt die erhobenen Arme. Ein Fan erklärt auf Twitter, dass es sich bei der Geste um das sogenannte »Diffidati con noi« (Ausgesperrte mit uns) handelt. Es heiße im Fußballkontext Solidarität mit denjenigen, die etwa durch Stadionverbote oder andere Maßnahmen nicht im Stadion sein können.

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