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Auf der Suche nach Ersatz

Marco Sturm kündigt als Eishockey-Bundestrainer und wechselt als Assistent in die NHL. In Deutschland rätselt man über einen Nachfolger

  • Von Carsten Lappe, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bald nicht mehr Bundestrainer: Marco Sturm
Bald nicht mehr Bundestrainer: Marco Sturm

Zum ersten Mal könnte das Drumherum beim Deutschland Cup für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) wichtiger sein als die Spiele bei dem Vier-Nationen-Turnier selbst. Nach plötzlichen Abschied von Bundestrainer Marco Sturm soll am Wochenende in Krefeld Elementares besprochen werden. »Am Wochenende diskutieren wir unsere Zukunft«, sagte DEB-Präsident Franz Reindl am Montag. Es geht um die Strategie bei der Nachfolgersuche für Sturm.

Man kann auch sagen: Von den Gesprächen hängt ab, ob der Aufschwung anhält und ob Reindl sein Ziel, bis 2026 um Medaillen bei großen Turnieren mitzuspielen, weiter verfolgen kann. Seit Sonntagabend gibt es daran Zweifel. »Der Aufschwung ist gefährdet«, sagte der frühere Nationalmannschaftskapitän Alois Schloder am Montag.

Am Abend zuvor hatten die Los Angeles Kings aus der nordamerikanischen Profiliga NHL verkündet, dass Sturm neuer Assistenzcoach des aktuell schlechtesten Teams der weltbesten Liga wird. Zur Unzeit für den DEB - vier Tage vor Beginn des Cups in Krefeld (8. bis 11. November). Und entgegen der Absprache. Ursprünglich sollte die laut Schloder »traurige Angelegenheit« erst einen Tag später verkündet werden. »Du kannst ihn dann nicht aufhalten«, sagte Reindl dazu, dass er den Trainer trotz Vertrages bis 2022 ziehen lässt.

Vom Trainer des Olympiazweiten zum Co-Trainer - das mögen Außenstehende verwunderlich finden. Sturm sieht darin die Chance auf eine Trainerkarriere in der NHL, wo er mit 1006 Spielen deutscher Rekordspieler ist. »Ein deutscher Trainer in der NHL ist natürlich schon der Hammer«, räumte auch Ex-Profi Alois Schloder ein.

Nach der olympischen Silbersensation von Pyeongchang im Februar hatte Sturm stets betont, bei einem geeigneten Angebot zurück nach Nordamerika gehen zu wollen. Auch aus familiären Gründen. Im vergangenen Jahr hatte Sturm wegen des Bundestrainer-Jobs mit seiner Familie die USA verlassen, was sich vor allem für die in Nordamerika aufgewachsenen zwölf und 14 Jahre alten Kinder als Problem darstellte. Es lief besser, aber lange nicht perfekt. Das Angebot der Kings wollte Sturm auch deshalb nicht ausschlagen, auch wenn ihm selbst klar ist, dass der DEB nun ein Problem hat.

Mit einem Wechsel seines wichtigsten Angestellten noch in dieser Saison hatte beim Verband niemand mehr gerechnet. Mit Sturm sollte die direkte Olympiaqualifikation für Peking 2022 perfekt gemacht werden. Dafür müsste Deutschland nach der WM 2019 in der Slowakei unter den Top Acht der Welt stehen. Dieses wichtigste Ziel beim aktuellen Weltranglisten-Achten muss nun jemand anderes erreichen. Nur wer? »Wir haben da keinen Zeitdruck. Jetzt zählt erst einmal nur der Deutschland Cup, danach beginnen wir mit der Sondierung«, sagte Reindl. Auch Sturms Nachfolger soll wieder ein Deutscher sein. Automatische Kandidaten wie Pavel Gross (Mannheim), der frühere Bundestrainer Uwe Krupp (Sparta Prag) oder dessen damaliger Assistent Harold Kreis (Düsseldorf) stehen jeweils unter Vertrag.

In Krefeld will und muss sich Reindl mit seinen Präsidiumskollegen und Sportdirektor Stefan Schaidnagel abstimmen. »Das wird nicht einfach«, prophezeite Schloder. »Marco war das Aushängeschild der vergangenen Jahre. Das ist ein gravierender Einschnitt.« Schloder empfahl Reindl daher, mit der Liga über eine »Übergangslösung« von »ein, zwei DEL-Trainern« zu setzen und nannte eben Gross und Kreis.

Erschwert wird die Nachfolgersuche auch durch die Umstände. Nach Olympia traten bereits langjährige Führungsspieler wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer zurück. Der Neue wird ohne diese Stützen mit einem jüngeren Team an Sturms Erfolgen gemessen.

Sturm vermittelte der Nationalmannschaft auch gegen große Nationen einen Siegeswillen, den es so zuvor nicht gegeben hatte. Schon jetzt legendär ist die WhatsApp-Gruppe der Nationalspieler von Olympia 2018, die Führungsfiguren wie Ehrhoff mit »Mission Gold« betitelten. In früheren Jahren unter Bundestrainern wie Hans Zach wäre diese vermeintliche Anmaßung undenkbar gewesen. Nur so entwickelte sich indes der Spirit, der das Team tatsächlich beinahe zu Olympiagold geführt hätte. dpa/nd

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