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Die Selbstzweifel besiegt

Drei Siege in drei Wettbewerben: Mit einfachen Plänen brachte Schalkes Trainer Domenico Tedesco den Erfolg zurück

  • Von Andreas Morbach, Gelsenkirchen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Breel Embolo (l.) und Schalke hatten nur selten das Nachsehen gehen Galatasaray mit Serdar Aziz.
Breel Embolo (l.) und Schalke hatten nur selten das Nachsehen gehen Galatasaray mit Serdar Aziz.

Domenico Tedesco musste sich am Dienstagabend selbst bremsen - mehrmals. Nach jeder Frage zum rassigen 2:0 seiner Mannschaft vom FC Schalke 04 gegen Galatasaray Istanbul wollte sich der Trainer schon verbal austoben - merkte aber stets, dass zunächst der Übersetzer an der Reihe ist. Tedesco zog zurück und machte ein entschuldigendes Handzeichen zu dem Mann zu seiner Linken. Bis er schließlich erzählen durfte, wie er seine lange Zeit schwächelnden Fußballer wieder fit gemacht hat.

Nur abzuwarten, dass sich die fatale Torflaute seiner königsblauen Vizemeister von allein legt, war für den Deutsch-Italiener keine Option. »Wir haben versucht, das Thema zu trainieren«, erläuterte Tedesco. Das beinhalte viele Einheiten vor dem Videogerät, aber auch Einfallsreichtum bei der praktischen Arbeit. In eine Ecke des großen Fußballtors rückte er zum Beispiel eines dieser winzigen Eishockeytore. Der Motivationsgedanke dahinter: »Auch wenn nur einer von zehn Schüssen in das kleine Tor geht, hast du im besten Fall mit den anderen neun Bällen zumindest das große getroffen.«

Die größte Pein für einen ehrgeizigen Denker wie Tedesco ist es, in einer Ergebniskrise die eigenen Ideen bis auf Weiteres einmotten zu müssen. »Wenn der Erfolg nicht da ist, musst du einfache Pläne haben und dich am Gegner ausrichten«, hatte er in der zähflüssigen Startphase dieser Saison betrübt erkannt. Die heiß geliebte Taktik des Vorjahres, die Gegner nach und nach zu zermürben, hatte erst mal ausgedient. Und soll nun, nach den jüngsten Siegen im DFB-Pokal gegen Köln, in der Bundesliga gegen Hannover und nun auch in der Champions League in überarbeiteter Form ihre Renaissance feiern.

»Mit jedem Erfolgserlebnis kannst du dich mehr und mehr auf dich verlassen, außerdem kommt die Leichtigkeit zurück«, berichtet Tedesco - der in diesem aufreibenden Herbst nicht zuletzt einen Weg finden musste, womöglich aufkeimende Selbstzweifel bei seinem Personal geschickt weg zu moderieren.

Gerade zarte Pflänzchen brauchen die richtige Wasserzufuhr - und Tedescos Geschick im Umgang mit der Gießkanne ist speziell bei den Angreifern Guido Burgstaller, Breel Embolo und dem neuerdings mehr ins Mittelfeld zurückgezogenen Mark Uth zu erkennen. Jetzt endlich zahlt sich der Vertrauensvorschuss des Übungsleiters aus: Embolo und Uth offenbarten spätestens mit dem 3:1 gegen Hannover am Wochenende, wozu sie als Offensivduo kombinatorisch in der Lage sind.

Und auch der österreichische Fußballfilou Burgstaller nimmt zunehmend Fahrt auf. »Ein bisschen deprimierend« fand die Arbeitsbiene aus Kärnten die Monate August und September. Seit Oktober geht es aufwärts, gegen Istanbul brachte Burgstaller die Blau-Weißen nun mit einer geistesgegenwärtigen Aktion gegen den irrlichternden Gästekeeper Fernando Muslera früh in Führung. »Ein sehr intelligenter Spieler«, lobt Teamkollege Daniel Caligiuri den Stürmer aus Austria und sagt: »Es freut mich riesig für ihn, weil er von der ersten bis zur letzten Minute ackert.«

Auch Neuzugang Salif Sané trägt als Mittelpunkt der Schalker Dreierkette immer mehr zum positiven Trend bei. »Vor allem das Vorwärtsverteidigen hatte er anfangs nicht so drin. Aber das lernt er nicht im Training, sondern auf dem Spielfeld«, erklärte Tedesco die Dauereinsätze für den Senegalesen - der nun gemeinsam mit seinen neuen Mitspielern schon mal ein scharfes Auge Richtung Achtelfinale werfen kann. In Europas Königsklasse hat Schalke alles selbst in der Hand: Bei einem Sieg im letzten Heimspiel gegen Schlusslicht Lokomotive Moskau ist das Ticket für die K.o.-Runde sicher gebucht. Für Mittelfeldmann Caligiuri ist das nach den neuesten Erkenntnissen aber nicht mehr genug. Spitzenreiter FC Porto steht aktuell noch zwei Punkte besser da, in drei Wochen geht’s an die portugiesische Atlantikküste - und Caligiuri kündigt mit neuem Elan an: »Jetzt wollen wir versuchen, Gruppenerster zu werden, ganz klar.«

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