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Per Rollstuhl die Natur entdecken

Studentin sucht nach barrierearmen Wegen durch den Nationalpark Harz

  • Von Uwe Kraus, Wernigerode
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit dem Rollstuhl Naturerleben genießen oder blind durch die Nationalparkausstellung - geht denn das? Stefanie Müller sucht nach Antworten. Die Barrierefreiheit im 247 Hektar großen Nationalpark Harz steht im Fokus ihrer Masterarbeit an der Hochschule Harz.

»Davon profitieren alle, denn wir alle werden älter oder können nach einem Unfall eingeschränkt sein. Außerdem sind Rampen, ebene Wege oder breitere Türen auch für Familien mit Kinderwagen hilfreich und Ausstellungen, die mehrere Sinne ansprechen, finden oft alle Besucher spannender«, stellt die Studentin fest. Sie spricht von einer Servicekette. »Die Barrierefreiheit gilt unterdessen als eine Säule touristischer Servicequalität. Aber dazu gehören ebenso die Informationssuche im Vorfeld, Sanitäranlagen, An- und Abreise oder auch wie ich in der Harz-Region mein Haupt betten kann.«

Landesübergreifend schickte sie in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen Tester in die Spur. Was nicht immer komplikationslos ging, wenn Rollstuhlfahrer bei den Busunternehmen vorangemeldet werden müssen und oft nur ein Rolli mitgenommen werden kann. Nun liegen Resultate aus dem Naturerlebniszentrum HohneHof in Drei Annen Hohne, dem Haus der Natur in Bad Harzburg, dem Nationalparkhaus Sankt Andreasberg und dem Besucherzentrum Torfhaus vor.

Dazu nutzt die 26-Jährige die mobile Ethnographie, eine unkonventionelle Forschungsmethode per App. »Die ähnelte einem Reisetagebuch. Die Nutzer können alle Erfahrungen während ihrer Reise dokumentieren und bewerten, von denen sie denken, dass sie im Sinne der Barrierefreiheit relevant sind, aber auch Kommentare, Bilder oder Videos einfügen. Somit wird eine detaillierte Reisedokumentation und eine Bewertung der Erlebnisse per Smiley möglich.« Rollstuhlnutzer, Sehbehinderte und Hörbeeinträchtigte trugen im Sommer umfangreiche Daten zusammen. »Meine Auswertung verstehe ich als ersten Schritt, auf die der Nationalpark Harz in seiner weiteren Arbeit aufbauen kann.«

Mandy Gebara, Ansprechpartnerin für Barrierefreiheit im Nationalpark, freut das. »Da wir gerade mehrere Ausstellungen in unseren Häusern überarbeiten, können die Erkenntnisse der Studie noch in die Planungen einfließen, um das Angebot im Nationalpark Harz noch barrierefreier zu gestalten«.

Auch wenn die Ergebnisse überwiegend positiv waren, ist Luft nach oben. So lobten die Tester die guten Vorabinformationen auf der Webseite des Nationalparks und das Engagement der Mitarbeiter in den Einrichtungen. Parken, Ausstellungsbesuch oder Sanitäranlagen wurden in allen vier Nationalparkzentren vielfach positiv erwähnt, aber es war noch der eine oder andere Stolperstein zu finden. »Genau deshalb haben wir diese ausführliche Datenerhebung aus Sicht Betroffener in unseren Häusern durchführen lassen«, so Mandy Gebara. Neben baulichen Verbesserungen könnten nach Ansicht von Stefanie Müller auch der Ausbau bestehender multisensorischer Angebote und eine leichte Sprache weitere Schritte sein, um Attraktivität und Servicequalität für alle Besucher zu verbessern.

Müller verfolgt ihr Ziel mit viel Realitätssinn, ärgert sich aber auch darüber, dass bei vielen anderen touristischen Anbietern in Sachen Barrierefreiheit immer noch das Argument »zu teuer« gebracht werde. Das Thema sei nicht erst seit gestern aktuell. »Das Aktionsbündnis Harz inklusiv und der Behindertenverband stehen als Partner jederzeit für die touristischen Leistungserbringer bereit. Es braucht noch mehr Aufklärung im Tourismussektor, weil es nicht allein um zwei Treppenläufe und die Rollstuhlrampe geht.«

Sie fordert, dass die Leistungsträger des Harz-Tourismus’ Lösungen finden müssen, die nicht allein auf Rollstühle fixiert seien und setzt sich kritisch mit dem Allerweltsbegriff »barrierearm« auseinander. Manchmal hapere es an Warnschildern, hindern Eingänge mit Kanten am Betreten von Einrichtungen. Gelegentlich fehlen Behindertenparkplätze. Stefanie Müller lernte während ihrer Untersuchungen, dass nicht jeder E-Rollstuhl dorthin kommt, wo Aktiv-Rollis Platz finden und umgekehrt. Auf die Frage, ob der Harz barrierefrei zu durchwandern sei, kommt ein klares »Jein«. Sie sehe bei allen positiven Erfahrungen durchaus Nachholpotenzial.

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