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Künstlich weichgespült

Der FC Bayern will vor dem Spiel in Dortmund kein Favorit sein. Derzeit ist er es auch nicht

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gegen die Schwarz-Gelben aus Athen mit Ponce (M.) konnten die Bayern um Boateng (r.) und Martinez bestehen, jetzt wartet der BVB.
Gegen die Schwarz-Gelben aus Athen mit Ponce (M.) konnten die Bayern um Boateng (r.) und Martinez bestehen, jetzt wartet der BVB.

Rund eine Viertelstunde nach dem lange Zeit schleppenden 2:0 (1:0) gegen AEK Athen war Uli Hoeneß von der Tribüne geklettert. Auch der Präsident des FC Bayern hätte sich gewiss einen deutlich höheren Unterhaltungswert in diesem Gruppenspiel der Champions League gewünscht, das die Münchner dank des ersten Heimsieges seit dem 15. September dem Achtelfinale aber immerhin sehr nahe gebracht hatte. Ein Punkt gegen Benfica Lissabon am 27. November genügt nun schon für die vorzeitige Versetzung. Der Gruppensieg steht spätestens im abschließenden Vergleich mit Ajax in Amsterdam am 12. Dezember in Aussicht.

Mehr Bestärkung für das Spitzenspiel der Bundesliga an diesem Sonnabend beim Tabellenführer Borussia Dortmund wäre Hoeneß aber ebenso genehm gewesen. Da die Mannschaft von Trainer Niko Kovac über weite Strecken jedoch erneut spielerisch nicht überzeugte und zwei Standardsituationen für die beiden Tore von Robert Lewandowski benötigte (31. Minute/Foulelfmeter und 71. nach einem Eckball), sah sich Hoeneß offenbar gefordert, selbst für Unterhaltung zu sorgen.

So fielen dann erstaunliche Sätze wie: »Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter.« Der 66-Jährige erinnerte daran, dass es diese Konstellation lange nicht mehr gegeben habe. Präzise seit der Saison 2011/12, als der BVB letztmals vor dem Gipfeltreffen in der Tabelle vor den Bayern stand. Derzeit sind es vier Punkte Vorsprung.

Hoeneß gab sich sogar erstaunlich kleinlaut, ganz gegen sein Naturell und das von ihm etablierte Selbstverständnis des FC Bayern. »Wir müssen ein gutes Spiel machen und schauen, was rauskommt«, sagte er und erklärte übergeordnet: »Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt. Die Meisterschaft würden wir gerne immer haben, aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen.« Den Satz mit der Arroganz entlarvte Hoeneß jedoch schnell als - sagen wir mal - nicht ganz ernst gemeint. Denn obwohl die Münchner noch hinter Mönchengladbach auf Platz drei stehen, meinte er, seine Bayern seien Zweiter: Man könne das bessere Torverhältnis der Gladbacher am zehnten Spieltag doch vernachlässigen.

Vermutlich hat sich die langjährige Abteilung Attacke also ganz bewusst einmal fürs weichgespülte Gewand entschieden. Zwar erkennt auch Hoeneß, dass die Mannschaft »in den letzten vier, fünf Wochen nicht so gut« und in der ersten Halbzeit gegen Athen »ziemlich verunsichert« gespielt habe. Doch auf den zweiten Blick waren Hoeneß und seine ihm eigene Angriffslust immer noch gut erkennbar. Das Duell mit dem BVB komme »zum richtigen Zeitpunkt«, weil man mit guten Chancen in der zweiten Hälfte gegen Athen »eine aufstrebende Leistung« gezeigt habe. Dass der von Kovac erhoffte klare Sieg mit drei, vier Toren nicht herausgesprungen war? Kein Problem für Hoeneß: »Meines Wissens haben wir am Samstag wieder ein Spiel, wo man das machen kann.« Offenbar hofft er, dass Kovac wie im Pokalfinale ein Außenseiter-Coaching gelingt. Damals führte er noch als gegnerischer Trainer Eintracht Frankfurt zum 3:1 über den Favoriten Bayern München.

Alle anderen Münchner äußerten sich am Mittwochabend ähnlich wie in den vergangenen Wochen. »Nicht überragend, wieder keine Glanzleistung«, stellte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich fest. »Kein Feuerwerk«, befand Kovac. »Es ist eine schwierige Zeit«, sagte Kapitän Manuel Neuer. Nur Mats Hummels scherte aus dem Erwartbaren aus, als er in Bezug auf den vermeintlich kleinlauten Hoeneß sagte: »Ich bin zum Glück noch nicht in der Position, meine Aussagen taktisch treffen zu müssen.«

Kalkül spielt bei Hoeneß immer eine Rolle. Womöglich gilt das auch für seine Aussagen zu Niko Kovac. »Wir haben eine Mannschaft im Umbruch und einen jungen Trainer, der sich reinarbeiten muss. Da muss man ein bisschen Geduld haben«, ließ Hoeneß wissen. Seine Aussage, er werde Kovac »bis aufs Blut verteidigen«, gelte immer noch. Nicht wenige glauben: erst mal nur bis Sonnabend.

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