Wer darf als Maueropfer gelten?

Fast drei Jahrzehnte nach Öffnung der Grenze gibt es erneut Streit um die Anzahl der Mauertoten

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Von 1949 bis 1989 waren beide deutsche Staaten durch eine Grenze zwischen den Gesellschaftssystemen und wider die Menschlichkeit getrennt. Weder die Ursachen noch die Opfer dürfen vergessen werden. Wie aber lässt sich bestimmen, wer Opfer ist?

Es war am Nachmittag des 3. September 1956. Ein Auto mit spanischem Kennzeichen stoppte beim hessischen Rasdorf an der Grenze zur DDR. Ein Mann stieg aus, überwand die damals noch harmlosen Sperranlagen und stieß auf den Grenzpolizisten Waldemar Estel. Der 24-jährige Gefreite nahm den Grenzverletzer fest, wollte ihn zu seiner Wache bringen. Doch der Mann zog eine Pistole, schoss und floh - bis heute unerkannt.

Ist Waldemar Estel ein Mauertoter? Ist der türkische Junge Cetin Mert, der an seinem fünften Geburtstag im Mai 1975 in der Berliner Spree ertrank, weil sich niemand traute, in das zum Osten gehörende Gewässer zu springen, ein Regimeopfer? Ganz sicher zählt Günter Litfin zu den Mauertoten. Er ...

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