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Wer beerbt den Eishockey-Erfolgsgaranten?

Nach dem Abgang von Marco Sturm beim Deutschland-Cup will der Deutsche Eishockey-Bund die Ämter des Generalmanagers und des Bundestrainer wieder trennen

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Deutschland-Cup in Krefeld wurde zur Abschiedsvorstellung von Marco Sturm. Der 40-jährige hatte zuvor überraschend angekündigt, den Posten des Eishockey-Bundestrainers zugunsten einer Stelle als Assistenztrainer bei seinem früheren Klub Los Angeles Kings in der NHL abzutreten. Damit gibt der von allen geschätzte Erfolgsgarant des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) das Zepter aus der Hand.

Unter Sturms Regie hatte die Mannschaft im Februar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang nach der spektakulären knappen 3:4-Finalniederlage gegen Russland mit der Silbermedaille den größten Erfolg fürs deutsche Eishockey gefeiert. Der 40-Jährige, der im Juli 2015 das Doppelamt als Generalmanager und Bundestrainer übernommen hatte und mit seiner Aura und Erfahrung aus 1006 NHL-Partien bei den Spielern hoch geachtet und beliebt war, besaß eigentlich noch einen Vertrag beim DEB bis 2022.

Kein Wunder, dass angesichts des Abschieds von Sturm beim Deutschland-Cup auch in der Kabine des Nationalteams die Suche nach einem neuen Bundestrainer Thema Nummer eins war. »Das ist auf alle Fälle eine große Herausforderung«, sagte Kapitän Marcus Kink aus Mannheim mit Blick auf die Kandidatenkür. »Das wird nicht so einfach jetzt.«

Auch DEB-Präsident Franz Reindl bekannte das Dilemma: »Wir haben unseren Lokführer verloren.« Es gelte als nahezu ausgeschlossen, dass man noch mal jemanden wie Sturm aus dem Hut zaubern könne. Reindl kündigte allerdings an, die Ämter des Generalmanagers und Bundestrainers künftig wieder zu trennen. Denn eigentlich ist diese Personalunion nicht erwünscht, wobei eine Übergangsphase durchaus denkbar sei.

Beim angestrebten Trennungsmodell dürfte der ehemalige NHL-Spieler Christian Ehrhoff, der über ein ähnliches Charisma wie Sturm verfügt, eine Rolle spielen. Der 36-Jährige beendete nach Olympia seine Karriere und scheint prädestiniert für den Job des Generalmanagers. Da er im Gegensatz zu Sturm keine Trainerlizenz besitzt, kommt Ehrhoff als Bundestrainer aber nicht infrage.

Hinsichtlich der Trainernachfolge stehen aktuell die Kandidaten Pavel Gross (Adler Mannheim) und Harold Kreis (Düsseldorf EG) im Fokus. Dabei nimmt der Druck vor allem auf das Düsseldorfer Management zu, ihren DEL-Coach noch einmal abzustellen. Schon 2010 hatte der 59-jährige Ex-Nationalspieler Kreis als Assistent vom damaligen Bundestrainer Uwe Krupp großen Anteil am WM-Halbfinaleinzug. Und auch die Düsseldorfer florieren derzeit unter ihm. Die DEG liegt auf DEL-Platz vier.

Für Sturm endete der Abschied beim Deutschland-Cup allerdings ohne sportliche Geschenke und eher bitter. Das ersatzgeschwächte DEB-Team, das zum Auftakt gegen Olympiasieger Russland mit 3:4 nach Verlängerung verloren hatte, kassierte am Samstag gegen die Schweiz mit 3:4 nach Penaltyschießen die zweite Niederlage und hatte somit vor dem Schlussspiel am Sonntag gegen die Slowakei schon keine Chance mehr auf den achten Titel. »Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir das Turnier für Marco gewonnen hätten. Ich denke aber, dass er nicht böse mit uns ist, so wie wir uns präsentiert haben«, sagte Kapitän Kink vor dem Sonntagspiel. Das verlor der Gastgeber unerwartet mit 0:2 gegen die Slowakei und beendete das Vier-Nationen-Turnier als siegloser Letzter.

Den Turniersieger hatten zuvor schon Olympiasieger Russland und Vizeweltmeister Schweiz im direkten Duell ermitteltet. Russland hatte neben dem Gastgeber auch die Slowakei 2:1 besiegt, und die Schweiz war gegen die Slowaken mit 3:2 erfolgreich gewesen. Mit 4:2 sicherte sich dann Russland nach 1992, 1993 und 2017 zum vierten Mal den Cup.

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