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»Der Radverkehr kann zur Stärkung ...

Kathrin Gerlof überlegt, warum sich Geländewagen auf deutschen Straßen wohler fühlen als Fahrräder

  • Von Kathrin Gerlof
  • Lesedauer: 3 Min.

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Fahrradfahrer: »Der Radverkehr kann zur Stärkung ...

... nachhaltiger Mobilität und zur Senkung der Kohlendioxid- und Stickstoffemissionen in Städten und urbanen Zentren beitragen.« Unsere Bundesregierung ist meist ziemlich blickig. Sie hat erkannt, dass radfahrende Menschen die Umwelt wahrscheinlich weniger schädigen als zum Beispiel autofahrende, die in einer Karre mit gefakten Messwerten sitzen. Als der Koalitionsvertrag geschrieben wurde, haben die dann bald Regierenden denn auch versprochen: »Wir wollen die Mittel für den Radverkehr als Testlauf aufstocken.« Warum sie das nur in einem Testlauf tun möchte, haben sie nicht gesagt.

Forsa hat herausgefunden: 84 Prozent der Menschen hierzulande befürworten den Ausbau von Radwegen. Und irgendwie sind sich sowieso alle einig, dass Radfahren und Laufen möglicherweise viel weniger Feinstaub und CO2-Ausstoß verursachen als jetzt zum Beispiel das Betreiben eines Braunkohletagebaus, Massentierhaltung oder wenn alle Chinesen gleichzeitig ausatmeten und das auch noch in unsere Richtung. Angeblich soll es sogar so sein - sagen die Grünen -, dass, wer jeden Tag fünf Kilometer Rad fährt anstatt Auto, in jedem verdammten Jahr 350 Kilogramm CO2-Emissionen vermeidet.

All das weiß die Bundesregierung - wie gesagt, sie ist schlau. Trotzdem sieht der Einzelplan 12 des Bundeshaushalts (das ist der sogenannten Verkehrshaushalt, hat aber nichts mit Familienplanung oder Sex zu tun) vor, dass 50 Prozent des ganzen Geldes in Autoverkehrswege (also Straßen und Autobahnen) investiert werden und nur ein Prozent in den Ausbau des Radwegenetzes.

Kathrin Gerlof ist Schriftstellerin und Journalistin und lebt in Berlin.
Kathrin Gerlof ist Schriftstellerin und Journalistin und lebt in Berlin.

Das klingt ein wenig ungerecht. Dabei hatte alles so schön angefangen. Im Koalitionsvertrag steht nämlich auch: »Zudem wollen wir das Programm für den Bau von Radschnellwegen praxisnaher ausgestalten und weitere innovative Projekte fördern, die den Radverkehr in Deutschland verbessern.« Irgendetwas muss schiefgelaufen sein, dass es bis jetzt noch nicht geklappt hat. Vielleicht liegt es an dem einen Prozent; könnte sein, dass dieses Geld für so ein ehrgeiziges Vorhaben nicht ausreicht. Auch wenn unsere Regierung sagt, dass sie jedes Jahr 100 Millionen Euro in die Ertüchtigung von Betriebswegen an Bundeswasserstraßen (Also wenn man mit dem Rad am Kanal oder Fluss langfahren möchte?) und in den Bau und Erhalt von Radwegen überhaupt steckt.

Sie macht eigentlich alles richtig, wie man der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen entnehmen kann. »Die Verwaltungsvereinbarung Radschnellwege, die von Bund und Ländern gemeinsam erarbeitet wurde und mit der Unterzeichnung des Bundes und der Länder zum 10. September 2018 in Kraft getreten ist, regelt die praxisnahe Gestaltung durch die Festlegung von qualitativ hochwertigen Standards für schnelle, sichere und möglichst störungsfreie Fahrten.«

Vielleicht hat der oder die Ministerialbeamte, der oder die gehalten war, die Fragen der grünen Bundestagsfraktion nach bestem Wissen und Gewissen und möglichst schwammig zu beantworten, zu den falschen Textbausteinen gegriffen. So etwas passiert, die Abgeordneten stellen andauernd Fragen und halten die Ministerialbürokratie von der Arbeit ab, was vielleicht an der einen und anderen Stelle viel Schaden verhindert.

In den Jahren 2013 bis 2017 wurden in unserem schönen autofreundlichen Deutschland 1 830 399 Personenkraftwagen (also Autos) aus dem Segment SUV zugelassen. Allein in Bayern 331 501. SUVs sind diese panzerähnlichen Teile, mit deren Hilfe wir demnächst Gott zwingen werden, seine Umweltkarte abzugeben.

Hier scheint es mit der »praxisnahen Gestaltung durch die Festlegung von qualitativ hochwertigen Standards für schnelle, sichere und möglichst störungsfreie Fahrten« gut geklappt zu haben. Sonst kaufte ja niemand die Dinger.

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