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Volkes Widerstand gegen Olympia

Die Bürger von Calgary haben sich gegen die Winterspiele 2026 ausgesprochen und bringen das IOC damit in große Not

  • Von Stefan Tabeling, Calgary
  • Lesedauer: 3 Min.

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Einzigartig: Howdy, das Maskottchen der Olympischen Winterspiele von 1988 in Calgary, wird keinen Nachfolger bekommen.
Einzigartig: Howdy, das Maskottchen der Olympischen Winterspiele von 1988 in Calgary, wird keinen Nachfolger bekommen.

Olympia, nein danke! Auch die Bürger von Calgary haben keine Lust auf Winterspiele 2026 und bringen das Internationale Olympische Komitee in große Not. Denn damit bleiben nur noch Mailand und Stockholm als Kandidaten übrig. Und selbst diese beiden Bewerbungen stehen aufgrund finanzieller oder politischer Unsicherheiten auf wackligen Füßen.

Laut Angaben auf der Webseite vote2018.calgary.ca hatten am Dienstag nur 43,6 Prozent der Bürger Calgarys für eine Bewerbung gestimmt. Die Gegner waren mit 56,4 Prozent klar in der Mehrheit. Auch wenn das Ergebnis nicht bindend ist, dürfte Calgary damit aus dem Rennen sein. Das IOC nannte die Entscheidung »enttäuschend«. Nach den politischen Diskussionen und den Unsicherheiten in den vergangenen Tagen sei es aber »keine Überraschung« mehr gewesen.

Wieder einmal haben sich Bürger in einer Volksbefragung gegen Olympische Spiele ausgesprochen. Insgesamt war es schon die neunte Bewerbung in Serie, die am Widerstand des Volkes scheiterte. Vor Calgary kam bereits für Sion und Tirol für 2026 das Aus, ebenso wie für 2024 Hamburg und Boston sowie 2022 für die möglichen Bewerber München, Kraków, Oslo und Graubünden.

Nun blickt das IOC mit Sorge nach Schweden und Italien. In Stockholm mangelt es an Unterstützung aus der Politik. Die neue Stadtregierung hat durchblicken lassen, keine Steuergelder für das Projekt ausgeben zu wollen. Und auch in Italien gibt es große Fragezeichen. Die Regierung des hoch verschuldeten Landes werde zwar die Bewerbung unterstützen, aber gebe »keinen Euro, weder für direkte noch indirekte Kosten«, hatte der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio klargestellt. So könnte das IOC im schlimmsten Fall ohne Bewerber dastehen. Vor einem derartigen Szenario hatte IOC-Ehrenmitglied Gian Franco Kasper, zugleich Präsident des Skiweltverbandes, jüngst bereits gewarnt: »Lasst uns hoffen, dass wir bei der Wahl in Lausanne noch Kandidaten haben.« Dort soll auf der IOC-Vollversammlung am 24. Juni 2019 über den Ausrichter entschieden werden.

Schon für die Winterspiele 2022 war das Bewerberfeld auf die Kandidaten Peking und Almaty geschrumpft. Am Ende bekam die chinesische Metropole den Zuschlag, womit nach Pyeongchang 2018 und Tokio 2020 drei olympische Großereignisse nacheinander in Asien stattfinden. IOC-Chef Thomas Bach hatte sich ohnehin dafür ausgesprochen, 2026 an einen traditionellen Wintersportort zurückzukehren. Seine Agenda 2020, die Kostensenkungen und Nachhaltigkeit für Olympiagastgeber vorsieht, scheint aber gerade in westlichen Ländern die Bürger nicht zu überzeugen. Zu groß scheint die Skepsis gegenüber großen Sportverbänden angesichts zahlreicher Korruptionsskandale. Auch die fragwürdige Haltung des IOC in der Antidoping-Politik wie etwa beim Skandal in Russland stößt auf große Kritik.

Auch wenn das IOC bei der Kostendeckung den Bewerbern schon entgegen gekommen ist, hätten die Winterspiele Calgary mindestens 3,5 Milliarden Euro gekostet. Die Ausrichtung der Spiele sei »ein Weg, aber nicht der einzige Weg, um die Stärken und Chancen unserer Gemeinschaft auszubauen«, teilten die Olympiagegner von Calgary mit. dpa/nd

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