Ein stets fragiler Kompromiss

Vor 100 Jahren wurde der Achtstundentag eingeführt - unumkämpft war er nie.

  • Von Jörg Roesler
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Am 15. November 1918 kann die Arbeiterschaft in Deutschland eine ihrer Forderungen realisieren, für die sie länger als ein halbes Jahrhundert gekämpft hat. Der gelernte Drechsler, langjährige Gewerkschafter und Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften Carl Legien ringt den Großindustrieellen - geführt vom Aufsichtsratschef der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke, dem Ruhrmagnaten Hugo Stinnes - ein Abkommen ab, das den Arbeitstag in der deutschen Schwerindustrie auf acht Stunden begrenzen soll.

Diese Forderung hat die organisierte Arbeiterschaft bereits 1866 erhoben, auf dem Genfer Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation. Karl Marx hatte daran Anteil. Die »Haymarket-Affäre« um ein ungeklärtes Bombenattentat am Rande einer Kundgebung für den Achtstundentag in Chicago - in dessen Folge 1886 sieben Organisatoren derselben zum Tode verurteilt und drei hingerichtet werden - bildet den Auftakt zum 1. Mai als ...

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