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  • Berlin
  • Betroffene rechter Gewalt

Auf der Seite der Opfer

Berliner Kampagne wirbt für Perspektivwechsel im Umgang mit Betroffenen rechter Gewalt

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Die einen können hier einfach daheim sein. Die anderen werden heimgesucht«, steht auf einem Plakat, auf dem die Hufeisensiedlung in Berlin-Neukölln abgebildet ist, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder zu rechtsterroristischen Angriffen kam. Es ist eines von sechs Motiven, die in den nächsten zwei Wochen im Rahmen der stadtweiten Kampagne »Berlin steht an der Seite von Betroffenen rechter Gewalt« überall in Berlin zu sehen sein werden.

»Auch in der liberalen weltoffenen Stadt Berlin haben wir eine zu hohe Zahl an rechten, rassistischen, homophoben, antisemitischen und anderen menschenverachtenden Angriffen zu verzeichnen«, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Montag bei der Vorstellung der Kampagne. 267 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe hat die Opferberatungsstelle »ReachOut« für das Jahr 2017 registriert, 324 homo- und transphobe Gewalttaten meldet das Anti-Gewalt-Projekt »Maneo« und 947 antisemitische Vorfälle, darunter 18 Angriffe, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). »Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir es auch in Berlin mit einem bedrückend großen Phänomen zu tun haben«, so Behrendt. Umso wichtiger sei es, sich an die Seite der Opfer zu stellen. Dazu unterstützt seine Verwaltung die Kampagne der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) mit 60.000 Euro.

Mit Plakaten, aber auch mit Printanzeigen, Postkarten und einer sechswöchigen Social Media-Kampagne soll damit auf die Perspektive von Betroffenen aufmerksam gemacht werden. »Viele kommen gar nicht erst in eine Situation, in der sie von derartiger Gewalt betroffen sind, weil sie zur Mehrheitsgesellschaft gehören«, erklärt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. »Für sie ist es selbstverständlich, bestimmte Dinge zu tun oder Orte zu besuchen. Für andere ist das anders.« So würden beispielsweise Obdachlose Parks ganz anders wahrnehmen, für sie sei das kein Ort zum Entspannen, sondern ein Schlafplatz, an dem sie nachts angegriffen werden. »Sinn und Zweck ist es, die Leute anzuregen, diese Perspektive anzunehmen und den Betroffenen zu helfen.«

Neben der Schaffung von Aufmerksamkeit will die AAS mit der Kampagne Spenden für den stiftungseigenen Opferfonds CURA sammeln. »Damit helfen wir den Opfern rechter Gewalt schnell und unbürokratisch«, so Kahane. Bis zu 30.000 Euro habe man in der Vergangenheit jährlich dafür sammeln können, um beispielsweise Gedenkveranstaltungen durchzuführen, Betroffene bei ihren Anwaltskosten unter die Arme zu greifen oder bei einem Umzug zu unterstützen, wenn sie sich zu Hause nicht mehr sicher fühlen.

Dieses Gefühl kennt auch die Schauspielerin und erste afrodeutsche TV-Moderatorin Mo Asumang. »Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie sich rechte Gewalt anfühlt, auch hier in Berlin«, erzählt sie. Sie habe eine Zeit lang Angst gehabt, am Fenster zu sitzen, weil sie von Neonazis mit dem Tod bedroht wurde. Viele wüssten nicht, wie sie die nächste Fahrt mit der U-Bahn überstehen sollen, weil sie Angst vor Anfeindungen hätten. »Da muss die Mehrheitsgesellschaft genauer hinschauen«, meint Asumang.

Die meisten Angriffe ereignen sich im öffentlichen Raum, berichtet Kati Becker vom Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin. Der größte Teil davon sei rassistisch motiviert. In diesem Jahr hätten vor allem Propagandadelikte zugenommen, die den Nationalsozialismus verharmlosen, wie etwa Hitlergrüße. »Es wird viel alltäglicher, diese Symbole im öffentlichen Raum zu benutzen.« Allerdings würden auch immer mehr Menschen diese Delikte melden, sagt Becker und hofft, dass die Kampagne auch dazu beträgt, die Zivilcourage in der Bevölkerung zu stärken.

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