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Warum wir uns falsch absichern

Die wichtigsten Versicherungsarten fristen teilweise ein Schattendasein

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der »Homo oeconomicus« starb mit der Finanzkrise. Bis dahin galt unter Versicherungsmanagern, Ökonomen und Politikern das zentrale Dogma freier Märkte: Der Mensch handelt rational. Dieser Glaube des wirtschaftsliberalen Mainstreams wurde mit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Jahren beerdigt.

Das sehen inzwischen auch Sicherheitsverkäufer ein. Drei Viertel der Bevölkerung bezeichnen sich in Umfragen selbst als sicherheitsorientiert. So finden die allermeisten Deutschen den Schutz ihres Autos wichtig - über eine Pflegezusatzversicherung sagen dies aber nur 15 Prozent. Dabei halten viele die Gefahr, in den nächsten zehn Jahren pflegebedürftig zu werden, für genauso wahrscheinlich, wie im selben Zeitraum einen Autounfall zu verschulden.

Menschen nennen mehrere Gründe, warum sie bestimmte Versicherungsarten meiden. Am Geld scheitert es jedoch nur in wenigen Fällen. Die Hauptbegründung ist: Im Ernstfall zahle der Versicherer eh nicht, weil er sich auf irgendwelche Klauseln berufe. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS im Auftrag des Versicherers Continentale. »Menschen argumentieren sich die Bedeutung von Versicherungen weg, um sich besser zu fühlen«, lautet die Erklärung der Meinungsforscher in der 52-seitigen Studie »Absicherung von Risiken - Was Vermittler glauben und was Kunden wirklich meinen« (Sie kann kostenlos unter www.continentale.de/studien abgerufen werden).

Unangenehme Dinge »wegrationalisieren« wir also gerne. Doch das wollen wir nicht tun. Versicherungsmanager halten folglich mindestens ein gutes Dutzend Versicherungsarten für wichtig und richtig, von »A« wie ambulante Krankenzusatz-Versicherung bis »Z« wie Zahnzusatzversicherung.

Was ist wirklich wichtig?

In der Bundesrepublik sind zwei Versicherungen Pflicht. Zum einen ist das die Krankenversicherung - gesetzlich oder privat -, zum anderen eine Haftpflichtversicherung fürs Auto. Alle darüber hinaus reichenden Versicherungsverträge sind freiwillig.

Sie sollten allerdings nur jene Risiken versichern, die existenzbedrohend sind. Für die Einschätzung von Risiken empfiehlt die Stiftung Warentest folgende Faustformel: »Stellen Sie sich den größtmöglichen Schaden vor, den eine Versicherung abdeckt - wenn Sie den Schaden nicht aus eigener Tasche zahlen können, ist der entsprechende Schutz sinnvoll.«

Das gilt für die private Haftpflichtversicherung. Wer einen Schaden bei einem anderen verursacht, muss dafür haften. Bei größeren Schäden kann es schnell in die Millionen gehen. Wir empfehlen eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden. Unverheiratete Kinder sind in der Regel bis zum Ende ihrer Ausbildung über den Vertrag der Eltern mitversichert.

Bei speziellen Haftungsrisiken sind zusätzlich spezielle Versicherungsverträge zweckmäßig. Hundehalter sollten eine Tierhalterhaftpflichtversicherung haben (auch in Bundesländern, die eine solche nicht vorschreiben); Besitzer von Öltanks eine Gewässerschadenhaftpflichtversicherung, und »Bauherren« leben sicherer mit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung.

Grundsätzlich ist der Versicherungsbeitrag im Vergleich zur Höhe der Risiken preiswert. Das gilt auch für eine andere unerlässliche Versicherungsart.

Der Vergleich lohnt

Eine Hausratversicherung schützt vor den Folgen kleiner wie großer Katastrophen: In die Wohnung wird eingebrochen, die Waschmaschine leckt oder das Fahrrad wird geklaut.

Doch wie bei allen Versicherungsarten sind die Preisunterschiede vergleichsweise riesig. Unabhängige, teilweise kostenpflichtige Hilfe versprechen Versicherungsvergleiche der Stiftung Warentest. Wir empfehlen zudem den gemeinnützigen Verbraucher-Ratgeber Finanztip.de. Auch dort finden Sie neben handfesten Tipps seriöse Preisvergleiche.

Berufsunfähigkeit bedenken

Die meisten erwerbsfähigen Menschen leben von ihrem Arbeitseinkommen. Nach einem schweren Unfall oder einer Erkrankung kann es sein, dass sie gar nicht mehr arbeiten können oder nicht mehr in ihrem Beruf. Einer von drei Beschäftigten in Deutschland beendet sein Berufsleben auf diese Art unfreiwillig, bevor er das Rentenalter erreicht hat.

Die gesetzlichen Leistungen durch die im Jahre 2001 eingeführte Erwerbsminderungsrente reichen meist nicht aus, um das finanzielle Loch zu stopfen. Daher ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung höchst empfehlenswert. Sie kann den Einkommensverlust ausgleichen oder zumindest entscheidend abfedern. »Vor allem Personen, die eine Familie ernähren, sollten nicht auf sie verzichten«, raten die Verbraucherschützer in Sachsen.

Es gibt einen Plan B, wenn Sie aus Kostengründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung ab- schließen wollen oder wegen ihres hohen persönlichen Risikos keine bekommen. Dann können Sie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen. Sie nützt zumindest im Extremfall.

Auch wenn wir unangenehme Themen gerne »wegrationalisieren« - siehe oben - sollten Sie für ihre Kinder oder Enkel über eine Kinderinvaliditätsversicherung nachdenken. In die gleiche Kategorie gehört die Risikolebensversicherung (nicht zu verwechseln mit der Kapital-Lebensversicherung, die vor allem ein Sparvertrag ist). Eine Risikolebensversicherung ist für alle, die für andere sorgen, eigentlich ein Muss.

Zum Schluss denken Sie doch bitte einfach mal über ihre Versicherungssituation nach. Ganz rational. Zum spielerischen Einstieg empfehle ich den »Versicherungscheck«. Das Frage-und-Antwort-Spiel finden Sie auf der Internetseite der Stiftung Warentest (test.de). Viel Vergnügen!

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