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Verwandtschaft des Schreckens

Monsanto lieferte einst Agent Orange nach Vietnam, nun soll Glyphosat folgen

  • Von Sarah Grieß, INKOTA
  • Lesedauer: 3 Min.
In den Teefeldern von Ban Muong sind die Produkte von Monsanto nicht willkommen.
In den Teefeldern von Ban Muong sind die Produkte von Monsanto nicht willkommen.

Es ist eine Farce: Noch immer leiden Millionen Vietnames*innen unter den gesundheitlichen Folgen des chemischen Entlaubungsmittels Agent Orange, dessen Name wie nichts anderes für die Schrecken des Vietnamkrieges steht - und ausgerechnet einem einstigen Hersteller des tödlichen Giftes wird nun in Hanoi der rote Teppich ausgerollt: dem US-Agrarriesen Monsanto, der erst kürzlich von der deutschen Bayer AG übernommen wurde.

Monsanto soll mit seinen gentechnisch veränderten Saatgutsorten die Ernährungssicherheit des Landes gewährleisten. Entsprechende Einfuhr- und Anbaulizenzen für drei als Tierfutter verwendete Maissorten hat die vietnamesische Regierung bereits erteilt. Nun wird erwartet, dass bis 2020 30 bis 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Vietnam mit genetisch modifizierten Organismen bedeckt sein werden. Antrieb für diese Entwicklung ist die Hoffnung, dass sich dadurch die landwirtschaftlichen Erträge maßgeblich steigern lassen.

Doch die Zahl kritischer Stimmen in Vietnam wächst: »Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass die anfänglich höheren Erträge nicht über längere Zeit hinweg aufrechterhalten werden können«, erklärt Nguyen Van Anh, Leiter der vietnamesischen Nichtregierungsorganisation CHIASE. Als problematisch erachtet er auch die vergleichsweise hohen Investitionskosten für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und deren wachsende Abhängigkeit von großen Agrarkonzernen. Bayer-Monsanto etwa vertreibt sein Saatgut in Kombination mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, gegen das die Nutzpflanzen zuvor durch genetische Veränderungen immunisiert wurden. Da die Kosten für dieses Gesamtpaket deutlich über denen für herkömmliche Saatgutsorten liegen, könne das die vietnamesischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern schnell in den Ruin treiben.

Zudem hebt Nguyen Van Anh die weitreichenden Gefahren von Herbiziden wie Glyphosat hervor: »Die zu bekämpfenden Unkräuter werden auf Dauer selbst gegen das Spritzmittel resistent, sogenannte Super-Unkräuter entstehen. Und um diese in den Griff zu kriegen, müssen immer größere Mengen an Gift eingesetzt werden - mit fatalen Folgen für Flora und Fauna.«

Dass Glyphosat langfristig auch die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt, lässt sich kaum mehr bestreiten. Erst kürzlich wurde Monsanto von einem US-Gericht zur Zahlung von 79 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld verurteilt, da der Lymphdrüsenkrebs eines Klägers aller Wahrscheinlichkeit nach durch Glyphosat verursacht wurde. Die Nichtregierungsorganisation CHIASE setzt deshalb auf eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft. Im Rahmen eines von INKOTA finanzierten Projektes in der Nghe-An -Provinz arbeiten sie gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung daran, sich wieder auf traditionelle Sorten zurückzubesinnen. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn der Kenntnisstand zu den Risiken von gentechnisch verändertem Saatgut ist bei der ländlichen Bevölkerung Vietnams gering. In den großen Werbekampagnen von Bayer-Monsanto spielen die Gefahren keine Rolle, eine unabhängige Aufklärungsarbeit findet bisher kaum statt. Auf die Frage, ob denn nicht allein der Name Monsanto bei der lokalen Bevölkerung Skepsis hervorrufe, antwortet Nguyen Van Anh: »Tatsächlich wissen nur die wenigsten, dass es Monsanto war, die das tödliche Agent Orange produziert haben. Und die, die es wissen, scheinen ihnen vergeben zu haben.« Bleibt zu hoffen, dass sie ihnen nicht noch einmal vergeben müssen - für Glyphosat, das längst zum unkalkulierbaren Risiko für Mensch und Umwelt geworden ist.

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