Heute schon mal etwas vergessen?

Wer sich das Alter der Urenkel nicht merkt, sollte oft Freunde treffen

Von Mike Mlynar

Na, heute schon wieder etwas vergessen? Sollte Ihnen das öfter passieren und sollten Sie im siebten Lebensjahrzehnt sein, wird Ihnen in Fach- wie Boulevardmedien fürsorglich geraten, nicht etwa in Panik zu verfallen. In diesem Alter sei ohnehin kaum noch etwas, wie es mit 20 war, wird getröstet.

Stattdessen gibt es 999 gute Ratschläge, was zu tun ist, damit sie Ihre 60er- Form möglichst lange behalten. Das scheint nicht allzu schwer zu sein, denn es geht etwa so: gesund und ausgewogen essen, abwechslungsreiche und geistig fordernde Hobbys pflegen, sich aber auch regelmäßig bewegen und oft mit Freunden treffen, denn der Kontakt mit anderen Menschen regt den Geist an. So etwa empfahl es unlängst der Neurologe Dr. Richard Dodel (54), Professor für Geriatrie an der Universität Duisburg-Essen, in einem Pressebeitrag.

Hört sich gut an und sollte doch zu machen sein, oder? Beruhigend übrigens auch, dass der Professor nicht etwa nahelegte, im hochreifen Lebensalter noch Mnemotechniken zu erlernen. Wenn einem dann nämlich mal die Eselsbrücke zur Eselsbrücke einer Eselsbrücke nicht einfallen sollte, beginne man vielleicht zu Recht, sich Sorgen zu machen.

Opa Fred ist noch topfit. Nur mit dem Gedächtnis hapert’s etwas. Wobei man nie weiß, ob wirklich oder ob er nur so tut. Egal, es sind ohnehin eher Kleinigkeiten. So kann er sich zwar die Geburtstage seiner drei Urenkel merken, allerdings vertut er sich immer mit deren genauem Alter. Doch er hat den richtigen Sinn für Relationen: So ist er sich sicher, dass, wenn nicht Ben der Jüngste ist, dies Anna sein muss. Genauso, dass, wenn Tom nicht der Jüngste ist, Anna die Älteste sein muss. Er meint, dass er auf diese Weise immer herausfinden kann, welches Urenkelkind das älteste und welches das jüngste ist. Nicht schlecht - schaffen Sie das auch?