Antonio Basquete, Kleinbauer, Projektteilnehmer und Mitglied der UNAC, baut Gemüse, Sesam und Mais an.
nd-Solidaritätsaktion

Traditionelles Saatgut bewahren

Ein Jahr nach der letzten Soliaktion macht ein Projekt in Mosambik gute Fortschritte

Von Christine Wild

Bartolomeu Antonio ist ein viel beschäftigter Mann: Er ist Projektkoordinator beim Bauernverband UNAC in Mosambik und zuständig für die Bewahrung und Vervielfältigung von traditionellem Saatgut - zwei Themen, die in Mosambik aktuell und umkämpft sind. Er ist dankbar für die Unterstützung, die er aus Deutschland und von den Lesern und Leserinnen des »nd« erhalten hat. »Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten viel bewegt«, erzählt er. »Immer mehr Menschen in Mosambik erkennen das Potenzial unserer lokalen Sorten und lehnen den Einsatz von Hybridsorten ab.«

Und auch mit der heftig umstrittenen Fusion von Bayer und Monsanto habe die Diskussion um das Thema Saatgut in Mosambik noch einmal an Fahrt aufgenommen, stellt Luis Muchanga, Geschäftsführer der UNAC in der Hauptstadt Maputo fest: »Durch die Unternehmensaktivitäten von Bayer und Monsanto drohen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der ganzen Welt immer mehr verdrängt zu werden. Sie sollen die vermeintlich ›intelligenten‹ Methoden der industriellen Landwirtschaft anwenden. Dadurch werden die bäuerlichen Gemeinden ihrer Grundrechte wie des Zugangs zu ihrem Saatgut beraubt. Das riesige Agrar-Oligopol bestimmt damit zunehmend die weltweiten Spielregeln.«

Mosambik steht international unter Druck, zum Beispiel durch die G7-Staaten oder durch die »Allianz für eine grüne Revolution in Afrika«, die unter anderem von der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung finanziert wird, um seine Saatgutgesetze anzupassen, Patente zu schützen und den Tausch von Saatgut zu unterbinden. Für UNAC und die betroffenen Bauernfamilien ist die Sache klar: So lässt sich Hunger nicht bekämpfen.

Das Projekt der UNAC, das Teil der nd-Solidaritätskampagne 2017 war, zeigt einen Lösungsweg auf: Ziel ist es, in acht Bauerngenossenschaften in den Distrikten Sussundenga und Gondola in Zentralmosambik die Saatgutsouveränität zurückzuerobern. Gemeinsam wollen die Bauerngruppen Mais, Maniok, Süßkartoffeln und Hirse in lokalen Varianten anbauen, das Saatgut vervielfältigen und auf Saatgutbörsen weiterverbreiten. Denn der freie Zugang zu eigenem Saatgut ist für die Bauern und Bäuerinnen in Mosambik lebensnotwendig: Für teures Saatgut, chemischen Dünger und Pestizide haben sie kein Geld. Ein Großteil der Landbevölkerung lebt von der Subsistenzwirtschaft - die Erträge dienen vor allem der Selbstversorgung, um den Lebensunterhalt einer Familie oder einer kleinen Gemeinschaft sicherzustellen. Eine Missernte hat so fatale Folgen.

Experimente sind daher für die Bauern riskant, neue Sorten werden zunächst auf Testfeldern ausprobiert. Im vergangenen Jahr hat UNAC zusammen mit den Bauerngenossenschaften mehrere Testfelder angelegt und erfolgreich Zwiebeln, Bohnen, Mais und Maniok nachgebaut. Außerdem wurden Getreidewaagen und Arbeitsgeräte für die Genossenschaften angeschafft, darunter auch eine Wasserpumpe für den Anbau von Gemüse. So ist es der UNAC mithilfe der Unterstützung aus der nd-Solidaritätskampagne gelungen, praktisches Wissen zur Vervielfältigung und Bewahrung von lokalen Sorten zu vermitteln. Im nächsten Jahr wird eine Saatgutbörse durchgeführt, damit die Menschen aus der Region das Saatgut untereinander handeln oder tauschen können.

Außerdem hat die UNAC den Erfahrungsaustausch von verschiedenen Bauerngruppen organisiert, damit die Bauern und Bäuerinnen voneinander lernen können und Wissen über Saatgut sowie auch das Saatgut selbst untereinander tauschen können. Auch dieser Austausch hat dazu beigetragen, dass sich der Ansatz, lokale Sorten nachzubauen, weiterträgt. Mittlerweile unterstützt die UNAC Bauerngruppen in allen Landesteilen bei der Bewahrung und Vervielfältigung von traditionellen Sorten und legt regionale Saatgutbanken sowie ein nationales Sortenregister an.

»Die Soliaktion des ›nd‹ und die Unterstützung von INKOTA insgesamt ist eine große Hilfe für uns«, sagt Bartolomeu Antonio. »Nicht nur, weil wir mit dem gespendeten Geld unsere Arbeit finanzieren können. Es ist für die Bauern und Bäuerinnen in Mosambik auch sehr motivierend zu wissen, dass viele Menschen an sie denken und sich auch in Deutschland für den Erhalt von traditionellem Saatgut starkmachen.«