Notschlafplätze für Studierende kaum genutzt

Nur zwei von 50 Plätzen derzeit belegt / AStA kritisiert mangelnde Informationspolitik und schlechte Ausstattung

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

Wegen des rapiden Anstiegs der Studierendenzahlen in Berlin und der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt bietet das Studierendenwerk Berlin in diesem Wintersemester insgesamt 50 Notfallschlafplätze für Studierende an, wie Steffen Krach (SPD), Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, am Dienstag via Twitter bekannt gab. Nur scheinen Viele das bislang nicht mitbekommen zu haben: Laut Krach sind derzeit lediglich zwei der Plätze belegt. »Aktuell ist die Situation so, dass diese Plätze noch nicht in der Zahl in Anspruch genommen werden, wie vermutet wurde«, sagte Krach dem »nd«.

Über die Ursachen der fehlenden Nachfrage wird derzeit noch diskutiert: »Vielleicht müssen wir die Kommunikation noch ausbauen, vielleicht stoßen die Plätze aber auch nicht auf das konkrete Interesse der Studierenden. Das müssen wir gemeinsam mit allen Beteiligten noch auswerten«, so Krach. Für Carla Raichle, AStA-Referentin der Beuth Hochschule für Technik ist die mangelnde Nachfrage wenig überraschend: »Bis heute haben nur Studierende von dieser Notfalllösung erfahren, die beim InfoCenter an der TU gelandet sind. Eine öffentliche Anwerbung gab es bisher nicht«, kritisiert sie. »Weder die Asten, noch die Verwaltungen der Hochschulen hatten die Infos, um sie an Studierende weiterzugeben«, bemängelt die Berliner Studierendenvertretung LandesAstenKonferenz auf Twitter.

Raichle kritisiert zudem die Ausstattung der Notschlafplätze als »katastrophal«: »Studierende können dort zunächst nur eine Woche wohnen, es gibt keine Küche und die bürokratischen Hürden von ausländischen Studierenden werden nicht berücksichtigt.« Luisa Böhmer von der AG Wohnen der LandesAstenKonferenz berichtet dem »nd« von zwei Fällen, die bei den Notschlafplätzen wegen bürokratischer Hürden abgewiesen worden seien. Zudem schrecke die mangelhafte Ausstattung viele Studierende ab. »Viele schlafen lieber irgendwo auf der Couch als in den Notunterkünften«, weiß sie. Das Studierendenwerk sei jedoch bereit, sich mit den Studierendenvertretungen zusammenzusetzen und über die konkrete Ausgestaltung zu reden.

Wie es weitergeht ist derzeit noch unklar. »Wir müssen sehen wie sich das entwickelt«, sagt Steffen Krach. Das Angebot gibt es erst seit einem Monat, es könne also gut sein, dass sich noch einige Plätze füllen werden. Von weiteren Anmietungen werde zunächst abgesehen, es sei denn, es entstehe der Bedarf, noch weitere Plätze zu schaffen. Auch ob es die Notschlafplätze im nächsten Semester noch geben wird, steht noch nicht fest. »Die Plätze werden sicherlich nicht wegfallen, ob weiter als Notfallunterkünfte wird sich noch zeigen.«

Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum ist groß. Allein in den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der Studierenden in Berlin von 30 000 auf 187 000 angestiegen. Laut Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung warten derzeit 4000 junge Menschen auf einen Wohnheimplatz. »Dass es einen riesen Bedarf gibt steht außer Frage, deswegen bauen wir ja auch zusätzliche Wohnheimplätze«, sagt der SPD-Politiker Kraft. 5000 Plätze werden laut Senatskanzlei derzeit gebaut.

Robert Jung von der AG Wohnender LandesAstenKonferenz macht die SPD für die Notlage der Studierenden verantwortlich: »Die Notwendigkeit für Notunterkünfte ist überhaupt erst durch die andauernde sozialfeindliche Wohnungspolitik der SPD im Berliner Senat entstanden.« Er brachte am Dienstag die Unterbringung von Studierenden in leerstehenden Flüchtlingsunterkünften ins Gespräch. Für Thea Grönemeyer, Referentin des AStA der TU Berlin, keine gute Lösung. »Wir sprechen uns dafür aus, ganzheitliche Lösungen für die Wohnungsnot zu finden, anstatt die verschiedenen Interessensgruppen gegeneinander auszuspielen.«

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