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So ist der Krieg. Ist er so?

Sky hat sich an Petersens Klassiker »Das Boot« von 1981 versucht

  • Von Jan Freitag
  • Lesedauer: 3 Min.

Von Dominik Leube, Ed Cantú oder Patrick Veigel hat jenseits ihres Umfelds vermutlich niemand je gehört. Akustisch hingegen sind die drei Tonmeister so gut vernehmbar, dass ihre Arbeit oft körperlich spürbar wird. Zum Beispiel an Bord der U-612, real existierendes Kriegsschiff der reichsdeutschen Marine im fiktionalen Sky-Einsatz. 37 Jahre nach Wolfgang Petersens Adaption geht Lothar-Günther Buchheims »Das Boot« erneut auf Kaperfahrt. Und wie schon 1981 spielt der Sound an Bord auch 2018 die Hauptrolle.

Just als ein paar Delfine geigenumflort durch den Atlantik tänzeln, durchbricht ein gellender Schrei die Hochseeromantik. Alarm! Angriff! Abtauchen! Im ansteigenden Gefechtslärm schaltet der Geräuschpegel abrupt auf Krach, bevor das Spiel radikaler Lautstärkewechsel die Zuschauernerven dehnt. Flüstern. Gebrüll. Grabesstille. Bombenhagel. Nur das Piepsen des Sonars durchbricht sodann die stumme Todesangst der Matrosen, als U-612 nach sieben Serienminuten getroffen vollläuft und im Chaos versinkt. Nächster Schnitt: Friedhofsruhe. »So ist der Krieg«, sagt ein US-Soldat in Sichtweite sachlich. »Fuck them!«

Das also ist der Tonfall einer Neuverfilmung, die nur Monate nach Petersens Original spielt und mit 26,5 Millionen Euro zwar ähnlich kostspielig ist, aber abgesehen vom Sound nur wenig damit gemein hat. Nach dem Drehbuch von Headautor Johannes W. Betz bläht Regisseur Andreas Prochaska die klaustrophobische Erzählung schließlich nicht nur klanglich auf. Wie einst der alte »Kaleu« Jürgen Prochnow übernimmt der Kriegsheldensohn Hoffmann (Rick Okon) im französischen La Rochelle das Kommando eines U-Boots und kämpft dort mit allerlei Widrigkeiten: Enge, Testosteron, Langeweile, Aktionismus, Kriegsmüdigkeit und Vorbehalte der Mannschaft gegen einen jungen Kapitän, dem besonders sein Erster Offizier (August Wittgenstein) die Position neidet.

In der Fernsehfassung von 1985 reichte es für 300 Minuten daseinsphilosophisch unterfütterte Hochspannung. Bei Sky jedoch wird sie mit einer vogelwilden Agentenpistole angedickt, in der Vicky Krieps als deutsch-französische Übersetzerin unfreiwillig, aber virtuos Weltpolitik spielt. Vom Schicksal in den Widerstand gedrängt, kriegt sie es sowohl mit der schönen Résistence-Kämpferin Carla Monroe (Lizzy Caplan) als auch dem sinistren Gestapo-Chef Hagen Forster (Tom Wlaschiha) zu tun. Neben den Topstars und Tonmeistern, rückt daher auch die mystische Dechiffriermaschine Enigma auf der Bedeutungsskala nach oben. Dazu Spione und Nazis, Liebe und Verrat, starke Frauen, illegale Drogen, also vieles, was vom Kammerspiel des Bootes anno 1981 ablenkt.

Das allerdings, sagt Regisseur Prochaska, sei durchaus gewollt. »Wir wollten ja kein Remake, sondern eine Neuinterpretation.« Trotz des gehörigen Aufwands mit 79 Sprechrollen plus 1000 Statisten an vier Drehorten inklusive eines Nachbaus von 240 Tonnen Gewicht, verteilt auf 45 Meter Länge, »stehen bei uns Charaktere im Zentrum, nicht die Materialschlacht«. Damit hat er sogar recht. Anders als Petersens Protagonisten haben Prochaskas teilweise Biografien, also Hintergründe. Und auch wenn die Nazis ein wenig zu arg wie Nazis dreinblicken, entlastet allein ihre Sichtbarkeit »Das Boot« 2018 von der Kritik, der das Original des Jahres 1981 ausgesetzt war. Damals hieß es, dass mithilfe weithin unpolitischer Figuren - ein ganzes Tätervolk exkulpiert werden soll.

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