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Keine Shoppingcenter-Abrissprämien vom Senat

Forderung von LINKEN-Stadtentwicklungspolitikerin trifft auch beim Handelsverband auf wenig Gegenliebe

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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«Ich fordere eine Abrissprämie für dumme Ideen», sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Er reagiert damit auf die Forderung nach einer Abrissprämie für Einkaufszentren. Katalin Gennburg, die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, hatte diese aufgestellt. Anlass war die Eröffnung der East Side Mall an der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain Ende Oktober.

Große Sorgen muss sich der Handelsverband derzeit nicht machen. «Es ist nicht beabsichtigt, den Rückbau von Einkaufszentren als Ziel oder Maßnahme in die Berliner Liegenschaftspolitik aufzunehmen», so lautet die Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen auf eine Schriftliche Anfrage Gennburgs. Es gebe auch keine Überlegungen im Hinblick auf ein Landesförderprogramm für den Rückbau von Shoppingcentern oder Malls, heißt es weiter.

Berlinweit zählt die Stadtentwicklungsverwaltung derzeit 73 Einkaufszentren, mit elf Standorten liegen die meisten davon in Mitte. Friedrichshain-Kreuzberg ist mit nur zwei Shoppingcentern Schlusslicht in der Bezirks-Rangliste. Fest geplant seien stadtweit zwei neue Standorte. Investoren hatten zudem eine Bauvoranfrage für einen neuen Einkaufstempel direkt vor der Nordseite des Ostbahnhofs gestellt. Er hätte zwischen der Erich-Steinfurth-Straße und Lange Straße errichtet werden sollen. Doch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschied die Voranfrage negativ.

Dass die Zeiten für Shoppingcenter schon einmal rosiger waren, bestreitet auch Busch-Petersen nicht. «Natürlich stellt es den stationären Handel vor eine Herausforderung, wenn rund 30 Prozent der Damenoberbekleidung inzwischen online gehandelt werden», sagt er. Textilien und Schuhe insgesamt seien mit die meistverkauften Produkte in Internetshops. «Aber es werden auch erfolgreich Konzepte erprobt, bei denen Abholung und mögliche Rückgabe in den Filialen erfolgen», so der Vertreter des Handelsverbandes. Karstadt sei da ein Vorreiter. «Das erhöht auch die Kundenfrequenz in den Geschäften.»

Busch-Petersen verweist darauf, dass Berlin im Bundesvergleich immer noch unterdurchschnittlich mit Handelsflächen versorgt sei. Während in der Hauptstadt rund 1,3 Quadratmeter pro Einwohner erreicht seien, läge der Wert im Bundesschnitt bei 1,5 Quadratmetern pro Einwohner. «Berlin hatte nach der Wende in beiden Stadthälften ein Risendefizit an Handelsflächen auszugleichen», erklärt er den Bauboom der vergangenen Jahrzehnte. Und weil in der Osthälfte über lange Jahre ungeklärte Eigentumsverhältnisse auf vielen Flächen langfristige Investitionen verhinderten, habe man mit dem Bau von Einkaufszentren auf Grundstücke mit eindeutigen Eigentümern zurückgegriffen, zum Beispiel Liegenschaften der Bahn oder der Post.

«Außerdem reagieren die Center auch auf die sich ändernden Gewohnheiten», so Busch-Petersen und nennt die Potsdamer Platz Arcaden als Beispiel. Dort soll der Gastronomie künftig wesentlich mehr Platz eingeräumt werden, auch eine Markthalle planen die Investoren.

«Das Shoppingcenter-Zeitalter ist bereits am Ende und jetzt geht es darum, nicht blind dem Onlinehandel das Feld zu überlassen», erklärt Gennburg. Sie fordert weiterhin eine «aktive Rückbaupolitik dieser Un-Orte». Auf den Flächen ließen sich «Stadträume für solidarische Ökonomien öffnen und Kleingewerbe und urbane Produktionsorte stärken», ist sie überzeugt. Für sie wäre es «ein erster Schritt für die Stadt der kurzen Wege des 21. Jahrhunderts.

Busch-Petersen überzeugt das nicht sonderlich. Und ein Abriss käme für ihn sowieso nicht in Frage. »Die Bauten lassen sich auch sehr gut umnutzen«, sagt er. Gewerberäume seien schließlich auch knapp.

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