Wie Unkraut auf dem Felde

Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden stellt sich seiner Geschichte in der NS-Zeit

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Der Gläserne Mensch ist ein faszinierendes Objekt. In den 1920er Jahren in den Werkstätten des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden entwickelt, erlaubte er aufgrund seiner Hülle aus Plexiglas zuvor kaum vorstellbare Einblicke in das Innere des Menschen: auf die Form und Lage der Organe, den Verlauf von Blut- und Nervenbahnen. Eine geschickte Lichtregie bei den Präsentationen in großen Gesundheitsausstellungen jener Zeit verstärkte die Faszination. Die Gläsernen Menschen gelten als Meisterwerke des Modellbaus und der Museumsdidaktik.

Allerdings: Kein Mensch, auch kein gläserner, steht für sich allein. Er wirkt in einer Umgebung. In den Jahren nach der Machtübernahme der Nazis waren das Ausstellungen wie »Das Wunder des Lebens«, die 1935 in Berlin über 600 000 Menschen sahen, oder »Gesund oder krank«, die ab 1938 durch 20 Städte wanderte. Dort wurde nicht nur über Tuberkulose oder Geschlechtskrankheiten informiert, sondern auch eine...

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