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Streit um Gesamtschulen

Die SPD sieht das von den Grünen verabschiedete Bildungskonzept kritisch

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die bildungspolitische Sprecherin der Berliner SPD-Fraktion, Maja Lasić, hat sich gegen eine erneute Debatte über die Schulstruktur in der Hauptstadt ausgesprochen. »Wir haben uns in der rot-rot-grünen Koalition auf eine Beibehaltung des zweigliedrigen Schulsystems geeinigt«, sagte Lasić dem »nd«, »das steht so im Koalitionsvertrag und daran wollen wir auch nichts ändern.«

Die Sozialdemokratin reagierte damit auf einen Leitantrag der Grünen für bessere Schulen, den diese am Wochenende auf ihrem Landesparteitag beschlossen hatten. Darin spricht sich die Partei unter anderem für eine Stärkung der Gemeinschaftsschulen durch finanzielle Anreize für diese Schulform aus. Lasić befürchtetet, dass die Fokussierung auf die Gemeinschaftsschulen zu einer Ungleichbehandlung im bestehenden Schulsystem von Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen führen werde.

»Ich sehe nicht ein, warum eine Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg stärker gefördert werden sollte, als eine Integrierte Sekundarschule in Wedding«, sagte Lasić. Auch die SPD setze sich grundsätzlich für die Stärkung von Gemeinschaftsschulen ein. Aber: »Wichtiger als die Struktur einer Schule ist doch die Qualität der Bildung«, so Lasić, »und da gibt es insbesondere bei Schulen in Problemvierteln noch Einiges zu tun.«

Nach einer Pilotphase von neun Jahren hatte der rot-rot-grüne Senat im Sommer beschlossen, die Gemeinschaftsschule als Regelschule ins Berliner Schulgesetz aufzunehmen. Ein entsprechender Antrag soll im Dezember im Abgeordnetenhaus beschlossen werden.

An den Gemeinschaftsschulen lernen die Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam, häufig gibt es dabei bis zur neunten Klasse keine Noten und der Unterricht findet jahrgangsübergreifend statt. An einigen Gemeinschaftsschulen kann man auch nach dreizehn Schuljahren das Abitur machen.

Derzeit gibt es 24 Gemeinschaftsschulen in Berlin, die Mehrheit von ihnen befindet sich in freier Trägerschaft. Im Rahmen der Schulbauoffensive sind weitere Gemeinschaftsschulen in Planung. Nach jetzigem Stand sollen bis zum Jahr 2026 vierzehn neue Gemeinschaftsschulen entstehen. Auch einige Bestandsschulen haben bereits Interesse angekündigt, in Zukunft zur Gemeinschaftsschule zu werden.

Grünen-Bildungsexpertin, Marianne Burkert-Eulitz, verteidigte unterdessen den Parteitagsbeschluss zur Unterstützung der Gemeinschaftsschulen. »Für uns Grüne ist die Gemeinschaftsschule das Modell von einer inklusiven Schule, das wir für die Zukunft anstreben«, sagte Burkert-Eulitz auf »nd«-Anfrage. Das Förderpaket für die Gemeinschaftsschulen solle dabei zusätzliche Anreize für die Bezirke schaffen, sich für die Gründung dieser Schulform einzusetzen.

»Diejenigen Schulen, die sich auf den Weg zur Gemeinschaftsschule gehen wollen, sollen unterstützt werden«, so Burkert-Eulitz, »es geht dabei nicht um Zwangsumwandlungen.«

Die bildungspolitische Expertin der Linksfraktion, Regina Kittler, versteht die Aufregung ihrer sozialdemokratischen Kollegin nicht. »Dass wir mehr Gemeinschaftsschulen brauchen ist in Berlin seit langem politischer Konsens«, sagte Kittler. Es gehe dabei auch gar nicht um die Frage, ob man die gegenwärtige Schulstruktur ändern müsse. »Niemand will das Gymnasium abschaffen«, versicherte Kittler, »das Ziel ist, die Gemeinschaftsschulen weiterzuentwickeln und dadurch für mehr Eltern attraktiver zu machen.«

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