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Schöner Wohnen in alten Kasernen

Mit dem Bernauer Pankebogen entsteht im einstigen Heeresbekleidungsamt ein Wohnpark

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Wer gut zu Fuß ist, benötigt vielleicht zehn Minuten für die Strecke vom S-Bahnhof bis zum Schönfelder Weg. Die Gegend ist noch reichlich unwirtlich, und gegenwärtig taugt in den Abendstunden tatsächlich nur die Baustellenbeleuchtung hinlänglich als Orientierungshilfe, wenn man das Areal des künftigen Wohnquartiers Pankebogen ansteuert.

Das Projekt wirbt mit dem Prädikat eines »Vitalparks« für ein Wohnen inmitten der grünen Stadtoase am Rande Panke-Parks um den Teufelspfuhl, an dem die Panke entspringt. 640 Wohnungen errichtet hier die Nordland GmbH Hannover auf 21 Hektar eines der nach der Wende in der Stadt und ihrem Umland aufgegebenen Militärareale - Bernau zählte bis zum russischen Truppenabzug Anfang der 1990er Jahre zu den größten Garnisonen der Westgruppe der einstigen Sowjetarmee. Es handelt sich um den 1939 als Nebenstelle der Heeresbekleidungsanstalt der Wehrmacht errichteten Kasernenkomplex. In der Dunkelheit wirken dessen wuchtige Dreigeschosser in Klinkerbauweise, die zu modernen Wohneinheiten umgebaut werden, derzeit vor allem düster. Kaum vorstellbar, dass hier, inmitten von Baustellenchaos und halbfertigen Straßen, noch im Dezember die ersten Mieter einziehen werden.

Am Dienstagabend hatten sich Brandenburgs Finanzminister Christian Görke und Bernaus Bürgermeister André Stahl (beide LINKE) mit Vertretern der Bauleitung einen Eindruck vom Baugeschehen verschafft. Im ersten Aufgang - drei Vollgeschosse mit vier Meter hohen Räumen plus Dachgeschoss - nähern sich die ersten Wohnungen der Fertigstellung. Moderne Dusch- und Wannenbäder, offene Küchen, großzügige Balkon- oder Terrassenlösungen - alles höherwertig. Nur beim Zuschnitt der Räume waren Zugeständnisse an die Bausubstanz mit ihren tragenden Elementen unumgänglich.

»Hier haben Frauen einst Uniformen für die Soldaten der Wehrmacht genäht, die dann im Dachgeschoss zwischengelagert worden sind, um dann später auf der Objektrampe in Eisenbahnwaggons verladen zu werden«, erläuterte Bauleiter Uwe Panitzke. Mancher Wohnbereich sei da nicht ganz optimal geschnitten, was aber durch große Balkone mit toller Aussicht wettgemacht werde.

Die Bauleute sind im Verzug, schon im Frühherbst hatten die ersten Umzugswagen anrollen sollen. Es geht um notwendig gewordene Nachbesserungen bereits erbrachter Bauleistungen, Probleme mit der Sommerhitze, Materialengpässe. Da hilft es auch nicht, dass der Bauleiter auf die bereits funktionierende Heizungsanlage verweist, dezentral für jede Wohnung einzeln zu steuern. Selbst wenn die ersten zwei Wohnungen zum Jahresende wirklich bezugsfertig sein sollten - bis Februar/März dürfte es noch dauern, bis die ersten Mieter einziehen. Noch aber ist Panitzke zuversichtlich, dass das Wohngebiet bis Ende 2020 fertig wird.

Minister und Bürgermeister sind dennoch sehr angetan von den Fortschritten, die das ehemalige Problemgebiet der Stadt bis heute aufzuweisen hat. Vor allem preisen Görke und Stahl die großartige Wohnlage im Grünen - quasi mit direkter Verkehrsanbindung an Berlin. Hauptstädter, die in Berlin kaum adäquate Wohnbedingungen finden, suchen verstärkt im Umland, und nicht zuletzt in Bernau. Die Stadt wächst seit der Wende, wie André Stahl betont, Anfang Oktober wurde der 40 000. Einwohner begrüßt, und und jährlich kommen 500 Neubernauer hinzu.

Am Vormittag hatte die Landesregierung im Rahmen ihrer »Kabinett vor Ort«-Reihe den Dialog mit Kommunalpolitikern und Bürgern in Städten und Gemeinden im Landkreis Barnim, darunter auch in Bernau, geführt. »Der Landkreis boomt«, lautete die Botschaft, die Ministerpräsident Woidke (SPD) nach Potsdam mitnahm. Bernau liegt in einer der Siedlungs- und Entwicklungsachsen im Städtekranz um Berlin, die inzwischen im Zentrum der gemeinsamen Landesentwicklung der Länder Brandenburg und Berlin stehen.

»Wir hätten das gemeinsam mit Berlin früher in Angriff nehmen sollen, inzwischen sind wir vielleicht schon fünf Jahre verspätet«, räumte Minister Görke mit Blick vor allem auf die wachsenden Pendlerzahlen ein. »Wenn man heute sieht, wie viele Leute im Umland aus ihren Autos in die S- oder Regionalbahn steigen - diese Dimension hätte ich nie für möglich gehalten.« Bürgermeister Stahl verwies darauf, dass auch Bernaus Nachbarbezirk Pankow Probleme mit den Einpendlern aus dem Nordosten habe, die täglich die Zufahrtsstraßen in die Berliner City verstopfen.

Die Stadt hat sich auf wachsenden Wohnraumbedarf eingestellt. Zwischen 2015 und 2020 entstehen 2500 Wohnungen, darunter jüngst mit Landesförderung auch 53 Sozialwohngen. Viele davon auf Konversionsflächen an der Schwanebecker Chaussee ober eben am Schönfelder Weg.

»Das alte Heeresbekleidungsamt ist eine Erfolgsgeschichte der Konversion, ich bin froh darüber, dass wir sie schon früh an die Stadt verkaufen konnten«, erinnerte Görke. 1994 hatte die Brandenburgische Bodengesellschaft die Liegenschaft als eines ihrer größten Objekte übernommen. Mit 1,3 Kilometern Gebäudelänge steht dort eines der größten zusammenhängenden Bauwerke in Ostdeutschland. Unterkünfte für Tausende Sowjetsoldaten, Fahrzeuge, Waffen, Muniton, dazu diverse Depots für Treibstoffe und Munition sowie Werkstätten und eine Großwäscherei - von all dem waren Altlasten zurückgeblieben, die längst beseitigt sind.

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