Autofahren und Klimawandel

Aufstehen und Gas geben

Sieben Tage, sieben Nächte: Heutzutage würde keine Partei mehr mit den Forderungen nach mehr Straßen und mehr Parkplätzen in den Wahlkampf ziehen

Von Regina Stötzel

Vielleicht würde heutzutage keine Partei in Deutschland mehr in einen Wahlkampf ziehen mit den zentralen Forderungen nach mehr Straßen, mehr Parkplätzen und »uneingeschränktem Verkehrsfluss«. Die Autofahrerpartei, die sich vor 30 Jahren gründete, konnte bekanntlich auch damals nicht die Regierung übernehmen, obwohl der Rhein noch nicht halb ausgetrocknet war und allenfalls »ganz Grüne« den Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren vollständig infrage stellten. Selbst die Partei der Grünen brauchte für ihren »Fünf-Mark-Beschluss« (so teuer sollte der Liter Benzin werden) noch weitere zehn Jahre und fiel auch dann damit auf die Nase.

Erstaunlich ist jedoch, dass die Reinkarnation der Partei nun zusammenfällt mit dem finalen Kampf darum, ob der Klimawandel noch halbwegs im Zaume gehalten werden kann. Im Nachbarland Frankreich tragen die Parteiwiedergänger gelbe Westen, besetzen die Straßen und meinen, wie es die anderen einst sagten: »Die finanzielle Belastungsgrenze der Autofahrer ist erreicht.« Um dann auf die Einkommensschwachen zu kommen, die zu stark belastet würden. So wurden schon damals aus jenen, die gern aufs Gaspedal drücken, quasi Sozialprotestler, und so spricht es heute Sahra Wagenknecht mit ihrem Herz für Pendler an; und auch wenn Pendler nicht per se arm sind - vielleicht formiert sich bald die parteiübergreifende Sammlungsbewegung »Anfahren«?

Schon die Autofahrerpartei hielt »die steuerliche Entlastung von Produktionskapital für wirtschaftlich richtig, da hiermit Arbeitsplätze geschaffen« würden. Da dürfte Volkswagen-Chef Herbert Diess zustimmend mit dem Kopf nicken, der, ähnlich wie damals die Partei eine »ständig wachsende Diffamierung« der Autofahrer, nun einen »Feldzug« gegen seine Branche im Gange sieht. Denn der Sauberkeitswahn bei Autos macht die schöne deutsche Industrie kaputt.

Dass die in jüngster Vergangenheit vor allem demonstriert hat, dass alles noch viel dreckiger ist als gedacht, hätte vermutlich den Autofahrern nicht gefallen, die verlangten, dass innovative Technologien für das Auto zu fördern seien. Das machen wiederum Bundesregierung und EU, aber eigentlich nur, damit sie auf dem Weltmarkt mit China mithalten können (Seite 4).

Was so einfach nicht ist, wie General Motors erfahren haben, die ihren elektrischen »Volt« nicht mehr bauen wollen, weil er sich zu schlecht verkaufte. Dazu Donald Trump von der nationalen Autofahrerpartei der USA: Dann baut doch ein Auto, das sich gut verkauft! Und auch wenn er in der kommenden Woche den deutschen Autobauern erklären wird, dass das aber nicht für sie gilt, dürfte das Klima seinen Wandel munter fortsetzen. In diesem Sinne: Für grüne Welle bei Ampelschaltungen und den Abbau des Schilderwaldes!