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Eröffnungsrisiko Kabeltrassen

Probleme auf der Flughafenbaustelle BER hören nicht auf - Termin 2020 soll aber klappen

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 4 Min.

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Mit den Kabeln auf der Flughafenbaustelle gibt es nicht zum ersten Mal Schwierigkeiten.
Mit den Kabeln auf der Flughafenbaustelle gibt es nicht zum ersten Mal Schwierigkeiten.

Große Zufriedenheit klingt sicherlich anders. »Auch bei den kritischen Gewerken haben sich die Abarbeitungsgeschwindigkeit und die Qualität der Arbeit in den letzten Wochen spürbar erhöht«, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup. Die Formulierungen des Flughafenchefs, die dieser am vergangenen Freitag nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft verbreitet, sind sicherlich mit Bedacht gewählt.

Übersetzt könnte das Zitat so interpretiert werden: Es gibt zwar einige Fortschritte bei den Dauerproblemen Brandschutz und Kabeltrassen, aber wie gewünscht läuft es eben nicht. »Jetzt muss es den Firmen Bosch und ROM gelingen, das Engagement bis zur endgültigen Fertigstellung ihrer Gewerke weiter zu steigern«, betont der Flughafenchef. Er sieht die Flughafenfertigstellung trotz der Schwierigkeiten im Plan. Auch der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft geht unverändert von der Inbetriebnahme des BER im Oktober 2020 aus.

Dass es Probleme mit der Verlegung der Kabel gibt, war bereits in den vergangenen Wochen in den Medien diskutiert worden. Zwar sollen fast alle Kabel auf der Flughafenbaustelle nach der Terminabsage im Juni 2012 neu verlegt worden sein - auch weil nach der Absage erkannt wurde, dass unter anderem eine zentrale Kabeltrasse überbelegt worden war. Bei vollem Betrieb hätten die Leitungen durchschmoren können. Dennoch wurden offenbar auch bei der Neuverlegung nicht die gängigen Standards eingehalten. So müssen Kabel nicht nur Strom führen, sondern auch in korrekten Bahnen und vorgeschriebenen Knicken verlegt sein.

Lütke Daldrup
Lütke Daldrup

Über den Baufortschritt und die bestehenden Schwierigkeiten wurde am Freitag »intensiv« im Aufsichtsrat diskutiert, wie im Anschluss berichtet wurde. Bei Brandmeldeanlage und Kabeln sei die Lage kompliziert, heißt es auf der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung. »Wir haben dort noch nicht den Progress, den wir uns eigentlich wünschen«, räumt Lütke Daldrup ein. Auch Experten des TÜV-Rheinlands, die die Baustelle in Schönefeld regelmäßig besuchen, sowie Termincontroller sähen diese beiden Themen kritisch.

Trotz der neuerlichen Probleme erkennen die Flughafengesellschaft und die Geschäftsführung auch Fortschritte. Die Fertigstellung des BER sei in einer entscheidenden Phase. Die Anzahl der kritischen Gewerke haben sich von vier auf zwei reduziert. Dies hätte auch die externen Sachverständigen bestätigt. Insbesondere die Entrauchungsanlage und die Arbeiten an der Sprinkleranlage, die in der Vergangenheit ebenfalls häufig Probleme bereiteten, haben sich gut entwickelt. Während die Arbeiten an der Entrauchungssteuerung weiter fortgeschritten und schneller als erwartet beendet worden seien, konnten die Arbeiten an der Sprinkleranlage sogar weitgehend abgeschlossen werden. Die vielen Umplanungen und Umbauten hatten in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Sprinkler in einigen Bereichen nicht genügend Wasserdruck vorweisen konnten. Die komplizierte und lange nicht funktionierende Entrauchungsanlage hatte bereits öfter zu Terminverzögerungen und Verschiebungen der Eröffnungen des Großflughafens geführt.

Ursprünglich sollte der BER im Herbst 2011 in Betrieb gehen. Die Eröffnung musste wegen der technischen Probleme, Planungsfehlern und gravierende Baumängel mehrmals aufgeschoben werden. Inzwischen kostet das Großprojekt wahrscheinlich mehr als sechs Milliarden Euro. Als Gesellschafter teilen sich die Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie der Bund die Kosten für das desaströs verlaufende Projekt.

Die große Frage, die nun erneut aufkommt, ist: Reichen die Puffer aus, damit der Eröffnungstermin diesmal wirklich gehalten werden kann? Fest steht: Nach der baulichen Feststellung liegen monatelange Tests und Prüfungen der gebauten Anlagen an. Bis spätestens Juni 2019 will die Flughafengesellschaft so weit sein, dass alle Anlagen umfassend geprüft werden können. »Die Controller sind da etwas vorsichtiger«, sagt Lütke Daldrup. Die Kontrolleure wollten weitere Risiken einpreisen und gingen davon aus, dass die sogenannte Wirk-Prinzip-Prüfung erst im August oder September beginnen könne. Aber auch dann wäre es möglich, den Eröffnungstermin zu halten, so der Flughafenchef. »Und wir haben auch noch Puffer.« Auf der Baustelle müsse weiter hart gearbeitet werden, an Wochenenden und im Mehrschichtbetrieb.

Der Aufsichtsrat vertraut offenbar diesen Angaben. »Auch wenn nicht alle Zwischenziele eingehalten werden konnten, gilt für mich nach wie vor der Eröffnungstermin Oktober 2020«, sagt der Aufsichtsratschef des BER, Rainer Bretschneider. mit dpa

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