Werbung

Klimaschutz ist die »Überlebensfrage der Menschheit«

24. UN-Klimagipfel beginnt in Kattowitz / Weltbank sagt 200 Milliarden Dollar Klimahilfen für Entwicklungsländer zu

  • Lesedauer: 5 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Kattowitz. Begleitet von Warnungen vor einer massiven Erderhitzung wird an diesem Montag in Polen offiziell der 24. UN-Klimagipfel eröffnet. Vertreter aus knapp 200 Staaten verhandeln in Kattowitz (Katowice) zwei Wochen lang darüber, wie die Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz von 2015 durch klare Regeln zur Umsetzung und Überprüfung ergänzt werden können.

In der französischen Hauptstadt war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die bisher weltweit zugesagten Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase reichen dazu aber bei weitem nicht aus. Am Vormittag berichten in Kattowitz auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), was sie von dem Gipfel erwarten.

Bereits am Sonntag kamen in Kattowitz Klima-Diplomaten zu einer ersten Plenumssitzung zusammen. »Wir müssen in den nächsten zwei Wochen Kreativität und Flexibilität an den Tag legen, um die Zeit klug zu nutzen und die Vereinbarungen zu liefern, nach denen wir alle streben«, sagte Polens Vize-Umweltminister Michal Kurtyka, der im Namen Polens die Präsidentschaft der zweiwöchigen Konferenz übernahm. In Berlin, Köln und Brüssel hatten am Wochenende Zehntausende Menschen für eine Energiewende demonstriert.

Ansteckungsgefahr in Katowice
Umweltökonom Reimund Schwarze über seine Erwartungen an COP24 und die Folgen der US-Politik

Bei den Bemühungen zur Verhinderung einer Überhitzung der Welt geht es im Kern darum, möglichst bald und vollständig die Freisetzung von Treibhausgasen zu stoppen. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, bei der Kohlendioxid frei wird, steht dabei im Mittelpunkt. Darüber hinaus müssen andere Quellen für Klimagase - etwa bei der Viehzucht und der Industrieproduktion - gestopft werden und letztlich auch Kohlendioxid aus der Luft abgeschöpft werden, etwa durch Aufforstung von Wäldern oder CO2-Einlagerung unter der Erde.

Die deutsche Umweltministerin Schulze setzt auf Fortschritte in Kattowitz. »Jeder soll nach dieser Konferenz wissen, was er zu tun hat, wie er Fortschritte beim Klimaschutz misst und transparent macht. Und jeder soll nachvollziehen können, was der andere tut«, sagte die SPD-Politikerin der »Süddeutschen Zeitung« (Montag). »So entsteht Verbindlichkeit und Vertrauen.« Schulze mahnte, die Staaten dürften sich nicht davon beirren lassen, wenn sich große Länder wie die USA oder Brasilien vom Pariser Klimaabkommen abwenden. »Die Großen, die sich kurz wegducken, werden wiederkommen«, sagte die Ministerin. »Die Vernunft wird sich nicht dauerhaft aufhalten lassen.«

Die USA haben sich als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires stand US-Präsident Donald Trump damit weiter isoliert da - alle anderen Teilnehmer betonten am Samstag aber, das Klimaabkommen sei unumkehrbar. Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zuversichtlich über einen Erfolg der Klimakonferenz.

Entwicklungsminister Müller warnte davor, die Augen vor der Erderwärmung zu verschließen. »Wir können so tun, als bekämen wir von den katastrophalen Folgen des Klimawandels nichts mit. Aber nichts würde dadurch besser«, sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). Die Erde werde mit drei, vier Grad plus zurechtkommen. »Menschliches Leben, wie wir es kennen, wird dann kaum mehr möglich sein«, warnte der Minister.

An die Konferenz hat Müller große Erwartungen. »Der Klimaschutz ist die Überlebensfrage der Menschheit. Kattowitz muss eine klare Trendwende bringen. Dort müssen die Entscheidungen dafür getroffen werden, das Paris-Abkommen verbindlich umzusetzen«, sagte Müller der »Passauer Neuen Presse« (Montag). Er finde es enttäuschend, dass von 184 Ländern nur 17 im Plan liegen und auch Deutschland hinter den eigenen Zielen zurückliegt. Doch die Bundesrepublik werde ehrgeizig aufholen und vorangehen.

Deutschland hat angekündigt, seinen jährlichen Beitrag zum Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen ab 2019 auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. In den Fonds zahlen wohlhabendere Länder ein, finanziert werden Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Der Minister hob zugleich die Verantwortung der entwickelten Industrieländer hervor. »Die reichsten zehn Prozent der Welt sind für 50 Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Von den Folgen sind am stärksten die armen Länder mit den niedrigsten Emissionen betroffen«, sagte Müller dem RND.

Weltbank sagt 200 Milliarden Dollar Klimahilfen für Entwicklungsländer zu

Unterdessen gab die Weltbank bekannt, ihre Finanzhilfen für Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel verdoppeln. Von 2021 bis 2025 sollen insgesamt 200 Milliarden Dollar (177 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt werden und damit doppelt so viel Geld wie im derzeitigen Fünf-Jahres-Zeitraum, wie die Weltbank am Montag nach Beginn der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz ankündigte. Es handle sich um ein »wichtiges Signal« an die internationale Gemeinschaft, dasselbe zu tun.

»Wenn wir nicht jetzt Emissionen reduzieren und eine Anpassung (an die Folgen des Klimawandels) vornehmen, werden bis 2030 hundert Millionen mehr Menschen in Armut leben«, warnte John Roome, der bei der Weltbank für Klimafragen zuständig ist. In Afrika, Südasien und Lateinamerika werde es dann außerdem 133 Millionen Klimaflüchtlinge geben.

Weltbank-Geschäftsführerin Kristalina Georgieva erklärte, angesichts des steigenden Meeresspiegels, drohender Überschwemmungen und Dürrephasen müssten nicht nur die »Ursachen« des Klimawandels bekämpft werden. »Wir müssen uns auch an die Folgen anpassen, die oft für die ärmsten Menschen der Welt am dramatischsten sind.«

Die 200 Milliarden Dollar entsprechen 40 Milliarden Dollar jährlich ab 2021. Den Angaben zufolge wird die Hälfte direkt von der Weltbank finanziert. Von den verbleibenden 100 Milliarden Dollar soll rund ein Drittel von zwei Organisationen der Weltbankgruppe kommen, bei den übrigen Geldern handle es sich um »von der Weltbankgruppe mobilisiertes« Privatkapital.

Die Industriestaaten haben zusagt, ihre Hilfen für Entwicklungsländer für den Umgang mit Klimafolgen bis 2020 jährlich auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Nach Angaben der Organisationen für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag der Betrag 2016 bei 48,5 Milliarden Dollar und im vergangenen Jahr bei 56,7 Milliarden Dollar.

Die Entwicklungsländer pochen auf verbindlichere Zusagen der Industriestaaten. Diese dringen allerdings auf eine starke Beteiligung der Privatwirtschaft und scheuen langfristige Zusagen. Agenturen/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!