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  • Elektroroller in Berlin

Coup rollt nicht im Winter

Ein Anbieter mottet seine Elektroroller bis zum Frühjahr ein, der andere nicht

  • Von Florian Rippert
  • Lesedauer: 3 Min.

Für Karsten Zimmer sind die Elektro-Roller, die man überall im Innenstadtbereich ausleihen kann, ein echter Zugewinn. »Im Sommer fahre ich gerne mit meiner kleinen Tochter durch die Stadt«, sagt der ausgebildete Archivar. Der 38-Jährige findet das Sharing-Modell durchweg praktisch. Doch jetzt im Winter kommt er angesichts der niedrigen Temperaturen doch lieber auf das Auto oder den Öffentlichen Personennahverkehr zurück, um von A nach B zu gelangen . So wie Zimmer geht es vielen Nutzern der Leihroller, deren Hauptzielgruppe sich vor allem aus Personen zwischen 25 und 35 Jahren zusammensetzt.

Der Winter verlangt aber nicht nur den Fahrern einiges ab: Moderne Lithium-Ionen-Akkus verlieren bei Temperaturen unter null Grad einen Teil ihrer Leistung. Je nach Abschirmung der Zellen vor der Kälte kann das einige wenige Prozent bis hin zu fast einem Viertel der Gesamtleistung ausmachen. Für die Fahrer der Leihroller macht sich das nur indirekt bemerkbar - eine Akkustandsanzeige gibt an, wie viel Prozent des Akkus noch verfügbar sind.

Die beiden dominierenden Anbieter auf Berlins Straßen, Emmy und Coup, gehen jeweils anders mit der kalten Jahreszeit um: Coup nimmt seine türkis-schwarzen Roller in der Wintersaison ganz vom Netz. Von Dezember bis Ende Februar/Anfang März fahren die elektrisierten Gefährte der Bosch-Tochter überhaupt nicht. »Wir wollen unsere Fahrzeuge schonen - vor der Kälte, Streusalz und der Witterung«, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Die Konkurrenz von Emmy lässt ihre rot-orangenen Schwalben den ganzen Winter über fahren. Beide Dienste haben jedoch jederzeit die Möglichkeit, bei Sicherheitsrisiken wie zum Beispiel bei gefährlichen Wetterlagen - also Eis, Schnee und Gewitter - all ihre Fahrzeuge offline zu stellen. Dann können diese weder gebucht noch bewegt werden. So wird verhindert, dass zum Beispiel bei Blitzeis unvorsichtige Kunden in Gefahr geraten oder in einem dunklen Sommergewitter Unfälle gebaut werden. Bei beiden Unternehmen werden die Nutzer über eine Nachricht von der App, mit der auch die Buchung vonstatten geht, über solche Sperrungen informiert.

Im Winter fahren insgesamt weniger Kunden mit den verbleibenden Zweirädern - was angesichts der Witterung nicht verwunderlich ist. In Berlin seien aber »weit über 100 000 Kunden« registriert, so Benjamin Ballicas, Marketingchef bei Emmy. Coup hält sich derweil mit Zahlen sehr zurück, grundsätzlich gibt die Firma wenig Einblick in ihre Statistiken. Beide Angebote konzentrieren sich vor allem auf das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Rings. Auf die Frage, warum die Fahrzeuge nicht auch in den Außenbezirken angeboten werden, sagte die Sprecherin von Coup: »Verfügbarkeit ist der Key.« Würden die knapp 1000 Roller auch die Randbezirke versorgen müssen, wäre der Abstand zwischen den einzelnen Rollern zu groß, sodass man zu weit zum nächsten Gefährt laufen müsste. Emmy, die mit 800 Fahrzeugen noch etwas weniger zur Verfügung stellen, haben vermutlich die gleichen Gründe.

Als übliche Fahrtzeit, für welche die Kunden das Angebot in Anspruch nehmen, gibt Emmy eine Viertelstunde an. Der Bereich »zwischen Fahrrad und Auto« könnte so abgedeckt werden. Allgemein ist das Angebot für die sogenannte »letzte Meile« attraktiv. Also für die Strecke zwischen Bahnhof oder Bushaltestelle und Zielort. Anders als Fahrradfahrer, welche mit dem oft gegenwärtigen Kopfsteinpflaster - welches auch den Verschleiß des geliebten Drahtesels beschleunigt - zu kämpfen haben, können beide Anbieter bisher von keiner Kritik diesbezüglich berichten.

Jeder, der einen Autoführerschein besitzt, kann die Angebote in Anspruch nehmen. Auch in die Randbezirke und darüber hinaus nach Brandenburg kann man fahren. Abgeben muss man das Zweirad jedoch wieder im Innenstadtbereich.

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