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Regierung verschiebt Ökosteuer-Erhöhung

Steuererhöhung soll mehrere Monate später kommen / »Gelbwesten«-Vertreter nennt Maßnahme nicht ausreichend

  • Lesedauer: 3 Min.

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Die «Gelbwesten» gehen unter anderem aus Protest gegen steigende Spritkosten und die Reformpolitik der Regierung auf die Straße.
Die «Gelbwesten» gehen unter anderem aus Protest gegen steigende Spritkosten und die Reformpolitik der Regierung auf die Straße.

Paris. Als Reaktion auf die »Gelbwesten«-Proteste legt die französische Regierung die zum Januar geplante Erhöhung der Ökosteuer vorerst auf Eis. Wie die Nachrichtenagentur AFP von einem Regierungsvertreter in Paris erfuhr, will Premierminister Edouard Philippe am Dienstag die Aussetzung der Steuererhöhung um mehrere Monate bekanntgeben. Ein »Gelbwesten«-Aktivist bezeichnete dies als nicht ausreichend und kündigte eine Fortsetzung der Proteste an.

Der »Gelbwesten«-Vertreter Jean-François Barnaba sagte dem Sender France Inter, nötig seien breite Steuersenkungen sowie die Erhöhung von Löhnen und Renten, um den Franzosen wieder ein würdiges Leben zu ermöglichen. Viele Menschen müssten mit 800 bis 900 Euro im Monat auskommen. »So kann man nicht leben«, sagte der Aktivist aus dem zentralfranzösischen Indre.

Auch Teile der Opposition wiesen den Vorstoß der Regierung zurück. Von den konservativen Republikanern hieß es, der Aufschub für die Ökosteuer sei »absolut unzureichend«. Die Rechtsextreme Marine Le Pen erklärte, in dem Vorschlag zeige sich die »Verachtung« der Regierung von Präsident Emmanuel Macron für die Franzosen.

Die Konservativen fordern ein Referendum als Antwort auf die »Gelbwesten«-Proteste, die Rechtsextremen und die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) eine Auflösung der Nationalversammlung und Neuwahlen.

Neben dem Aufschub für die Ökosteuer auf Diesel und Benzin will Philippe im Laufe des Tages noch weitere Zugeständnisse an die »Gelbwesten« verkünden, wie ein Regierungsvertreter sagte. Auf die Maßnahmen hatten sich Teile des Kabinetts am Montagabend bei einer Krisensitzung unter Leitung Macrons geeinigt. Damit solle eine »beruhigte Debatte« ermöglicht werden, sagte der Chef von Macrons Partei La République en Marche (Die Republik in Bewegung), Stanislas Guerini, dem Sender RTL.

Ein ursprünglich für Dienstag geplantes Treffen zwischen Regierungschef Philippe und den »Gelbwesten« findet dagegen nicht statt, wie das Büro des Premiers bestätigte. Vertreter der Protestbewegung hatten es kurzfristig abgesagt und dafür »Sicherheitsgründe« angeführt. Sie seien von Hardlinern bedroht worden, weil sie mit der Regierung sprechen wollten.

Die Aktivisten haben keine Sprecher, die offiziell anerkannt oder durch eine Wahl legitimiert sind. Die »Gelbwesten« arbeiten aber an einer gemeinsamen Liste für die Europawahl Ende Mai, wie ihr Vertreter Barnaba ankündigte.

Die Proteste gegen hohe Kraftstoffpreise, Steuern und Lebenshaltungskosten in Frankreich halten nun schon seit rund zweieinhalb Wochen an. Sie bringen Präsident Macron stark in Bedrängnis, die Aktivisten fordern bei Kundgebungen immer wieder lautstark seinen Rücktritt.

Macron sagte eine für das Ende der Woche geplante Serbien-Reise ab, wie aus Belgrad bekannt wurde. Am Mittwoch will sich die Nationalversammlung in einer Sondersitzung mit den Protesten befassen.

Für das kommende Wochenende sind neue Proteste unter anderem in Paris angekündigt, wo es am vergangenen Samstag schwere Ausschreitungen gab. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo bezifferte die Schäden in einer ersten Schätzung auf »drei bis vier Millionen Euro«. Darin sind nach ihren Angaben aber noch nicht die Schäden an Geschäften oder am Triumphbogen eingerechnet, die beschmiert und teilweise verwüstet wurden. AFP/nd

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