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Ines Geipel gibt den Vorsitz des Doping-Opfer-Hilfevereins ab

Nach dem überraschenden Verzicht der früheren Sprinterin gilt Sportrechtler Michael Lehner als Nachfolgekandidat

  • Von Jörg Mebus, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ines Geipel auf einer Pressekonferenz
Ines Geipel auf einer Pressekonferenz

Die Vorkämpferin tritt ab, ein Gründungsmitglied soll den Doping-Opfer-Hilfeverein in ruhiges Fahrwasser führen. Ines Geipel gibt nach fünf Jahren und etlichen Streitereien den Vorsitz im Doping-Opfer-Hilfeverein ab. Als Nachfolger steht der Heidelberger Rechtsanwalt Michael Lehner bereit, der 1999 die Anlaufstelle für DDR-Dopingopfer mit aus der Taufe hob.

»Ich gebe das Amt ab. Ich nehme mich aus der Streitfront heraus, weil ich das Gezerre der letzten Wochen als unwürdig empfinde angesichts der schwersten Schadensfälle, die wir tagtäglich zu sehen bekommen«, sagte Geipel. Sie streitet seit Wochen mit einer Gruppe um den Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke, die dem DOH unter anderem vorwirft, Trittbrettfahrern leichtfertig Zugang zu Zahlungen aus dem Hilfsfonds zu gewähren. Er war im Rahmen des Zweiten Dopingopferhilfegesetz zuletzt von 10,5 Millionen auf 13,65 Millionen Euro erhöht und die Frist für Antragsteller um ein Jahr bis Ende 2019 verlängert worden.

Geipel unterstützt die Kandidatur von Lehner. »Er ist Gründungsmitglied und kennt die Geschichte des DOH von Beginn an. In der momentanen Lage ist er als Rechtsanwalt auch der geeignetere Mann an der Spitze«, sagte die ehemalige Sprinterin, die selbst anerkanntes DDR-Dopingopfer ist. Gewählt wird am Donnerstag bei der DOH-Mitgliederversammmlung in Berlin.

Lehner sieht sich der Arbeit des DOH nach wie vor verpflichtet. »Ich will einfach meinen Beitrag leisten und helfen, dass diese gute und sinnvolle Einrichtung in ruhiges Fahrwasser kommt«, sagte Lehner: »Ich werde die Sache sehr ruhig und nüchtern angehen und so vielleicht zur Versachlichung der Diskussion beitragen.« Geipel will Lehner als Beraterin zur Seite stehen: »Ich trete zur Seite, werde aber in der Sache eine sportpolitische Aufgabe behalten.«

Doch auch Lehner, der seit der Gründung des DOH etwa 180 Dopingopfer anwaltlich vertreten hat, steht nicht nur in der täglichen Vereinsarbeit vor einer Mammutaufgabe. Ausgerechnet das im Anti-Doping-Kampf so verdienstvolle DOH-Gründungsmitglied Werner Franke, den Lehner bei dessen Kreuzzug gegen den Dopingbetrug dutzendfach vertreten hat, gehört derzeit zu den größten Kritikern des DOH.

»Ich bestehe darauf, dass ich weiß, wofür dieser Verein da ist. Nämlich den Opfern, den wirklichen Opfern, den beweisbaren Opfern, zu helfen«, sagte Franke im ARD-Mittagsmagazin. Der 78-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau Brigitte Berendonk das DDR-Staatsdopingsystem aufgedeckt hat, fürchtet wegen angeblich unzureichender Nachweisverfahren Missbrauch des Hilfsfonds durch Betrüger. Zudem zweifelt er die Annahme des DOH an, dass auch Kinder von DDR-Dopingopfer durch das Doping eines Elternteils geschädigt wurden. »Ich habe mit Werner Franke noch nicht gesprochen, aber es wird sich eine Gelegenheit ergeben«, sagte Lehner: »Wir werden damit klarkommen, dass wir in dieser Sache einmal nicht einer Meinung sind.«

Ines Geipel tat sich zuletzt vermehrt schwer, die zahlreichen Konflikte um »ihren« Verein distanziert und sachlich zu führen. Dennoch ist unbestritten, dass sie seit ihrem Amtsantritt 2013 enorm viel für die Dopingopfer erreicht hat.

In endlosen Diskussionen mit der Politik und dem deutschen Sport hat sie mit eindrucksvoller Beharrlichkeit auf das zweite Hilfsgesetz hingearbeitet. Sogar dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der die Arbeit des Vereins schon immer extrem kritisch betrachtet hat, machte sie dermaßen viel Druck, dass sich der Dachverband mittlerweile auch finanziell an dem Verein beteiligt. SID

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