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  • Leichtathleten aus Russland

Zwei Hürden stehen noch im Weg

Russlands Leichtathleten bleiben gesperrt, bis Moskaus Kontrolllabor inspiziert werden kann

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sergej Schubenkow darf unter neutraler Flagge bei Wettkämpfen antreten. Die in Russland lebenden Landsleute müssen weiter warten.
Sergej Schubenkow darf unter neutraler Flagge bei Wettkämpfen antreten. Die in Russland lebenden Landsleute müssen weiter warten.

Sebastian Coe ist mittlerweile ziemlich routiniert, wenn es um das leidige Thema russisches Staatsdoping geht. Egal, wo der Präsident des Leichtathletikweltverbands IAAF auftaucht, der Engländer wird darauf angesprochen, ob und wann sein Verband russische Athleten wieder vollumfänglich starten lässt. Schien er vor Jahren noch unsicher, manchmal gar etwas genervt, kann er heute seine Gegenüber sogar schon zum Lachen bringen, obwohl er eigentlich keine erfreulichen Nachrichten zu verkünden hat. So auch am Dienstag in Monte Carlo, als die IAAF verkündete, dass die Russische Leichtathletikföderation RUSAF weiter gesperrt bleibt.

Das IAAF-Council war am Dienstag der entsprechenden Empfehlung seiner Task Force unter Leitung von Rune Andersen gefolgt und hielt die Suspendierung in Folge des Dopingskandals aufrecht, der 2014 von der ARD aufgedeckt worden war. In den vergangenen zwei Tagen hatte die Verbandsführung noch viele andere Entscheidungen getroffen, so zum Beispiel die Erlaubnis für Athleten, auch im Nationalmannschaftsdress Werbung zu tragen, um ihnen mehr Einnahmen zu ermöglichen. Oder die Vergabe der WM 2023 an Budapest. Oder die Ehrung des Marathonweltrekordlers Eliud Kipchoge aus Kenia zum Weltleichtathleten des Jahres.

Fast alle anwesenden Journalisten wollten aber lieber übers russische Doping sprechen. Als einer darum bat, mal »eine nichtrussische Frage stellen« zu dürfen, antwortete Coe: »Wenn Sie unbedingt müssen!«, womit der Brite die Lacher auf seiner Seite hatte.

Dennoch würde Coe die Sperre im Sinne der Sportler gern aufheben. Die Entscheidung der Welt-Antidoping-Agentur WADA im September, ihren russischen Ableger RUSADA wieder anzuerkennen, hatte der IAAF ein Argument geliefert, mit dem auch sie eine Aufhebung ihrer Sperre hätte begründen können. Doch den Vertrauensvorsprung, den die WADA den Russen gibt, will die IAAF offenbar in Folge schlechter Erfahrungen nicht erteilen. Zur Erinnerung: Die WADA hatte Russlands Dopingjäger unter der Auflage zugelassen, dass bis zum 31. Dezember endlich Zugang zum Kontrolllabor in Moskau, seinem Datensatz und den dort gelagerten Proben erteilt wird. Für die IAAF muss Kriterium zuerst erfüllt werden, bevor sie die RUSAF wieder aufnimmt. »Unsere Integritätseinheit muss bestimmen können, welche russischen Athleten die Antidopingregeln gebrochen haben«, erläuterte der Task-Force-Vorsitzende Rune Andersen die Entscheidung.

Zweite Bedingung für eine Wiederaufnahme sei, dass die RUSADA für alle Kosten der Task Force und der Verhandlungen von Fällen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS aufkomme. Russland hatte bereits zugesagt, die bis Juni 2017 angelaufenen 2,7 Millionen Euro zu begleichen. »Bisher haben wir nur dieses Versprechen. Wir brauchen aber das Geld auf unserem Konto«, sagte Andersen in Monte Carlo. Außerdem seien mittlerweile weitere Kosten dazugekommen.

Eine weitere russische Zusage, dass die IAAF Zugang zum Moskauer Labor erhalten würde, hat Andersen noch nicht erhalten. Dabei war er der erste, der vor Jahren danach gefragt hatte. »Schon 2016 haben wir die russischen Ermittler darum gebeten, doch sie sagten, das Labor sei ein versiegelter Tatort«, erinnerte sich Andersen. »Knapp drei Jahre später sieht es so aus, als könnte die WADA bald Zutritt bekommen. Doch was in der Zeit dazwischen passiert ist, wissen wir nicht.« Offenbar hat Andersen so seine Theorien dazu, denn selbst wenn er über die WADA an die Daten und Proben herankommen sollte, müsse die IAAF-Integritätseinheit zunächst einmal »prüfen, ob sie nicht gefälscht worden sind«.

Für Russlands Sport, der sich zuletzt auf dem Weg zurück in die große Sportfamilie wähnte, ist das ein Rückschlag. Überraschend kommt er indes nicht, denn Russland blockiert weiterhin die Aufklärung des Skandals, der weit über die Leichtathletik hinausgeht. Tausende Sportler sollen zwischen 2011 und 2015 gedopt und ihre positiven Proben vertuscht worden sein. Doch auch vier Jahre nach dem ersten ARD-Bericht wird der WADA der Zutritt zum »Tatort« verwehrt. Ein Moskauer Gericht urteilte vor einer Woche zudem, dass der ehemalige Bobpilot Alexander Subkow seine aberkannten Goldmedaillen der Winterspiele in Sotschi 2014 behalten dürfe, obwohl der CAS die Rückgabe ans IOC angeordnet hatte.

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