Wüste und Wellness

Die Welt ist ein Dorf - mit Flüchtlingsheim? Günter de Bruyns Buch »Der neunzigste Geburtstag«

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Das Widerständige in der Kunst liegt im Erzählen dessen, was wir gern verbergen - in angstvoller Bequemlichkeit oder aggressiver Verstocktheit. Woraus wächst jene multikulturelle Verzückung, die nicht ohne Verachtung des Eigenen auskommen will? Muss man Angst haben vor einer gottlosen Gesellschaft? Und hat die notwendige Korrektur kolonialer Sprache nicht auch schon wieder etwas elend Dogmatisches?

Der Schriftsteller Günter de Bruyn war nie ein Mann des Marktes, des Meinungsgestöbers. Es ist seit Langem so, als habe der brandenburgisch Beheimatete viel märkischen Sand in die Uhr seiner Schreib-Zeit gefüllt - auch in diesem Buch rinnen die feinen Körner, sie rinnen mit jener Ruhe, die diesem Autor eigen ist, zum Grund. Der Scheue, Trauernahe, der so dünnhäutig wirkt, »weder zum Helden noch zum Diskuswerfer geboren« (Monika Maron) - er hat nach über dreißig Jahren wieder einen Roman vorgelegt: »Der neunzigste Geburtstag«.

Der ist eine Ve...


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