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Die Rotkäppchen-Verschwörung

Robert D. Meyer ärgert sich über die Debatte um »wolfsfreie Zonen«

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

Zugegeben: Im Vergleich zu einem Pudel mag der Wolf den meisten Menschen nicht unbedingt die Reaktion »Ach, wie süß!« entlocken. Logisch! Isegrims Äußeres ist auch kein Ergebnis von Jahrtausenden der Zucht und des Versuchs des Menschen, sich eine Tierart nach seinen Wünschen zu formen. Es ist das, was ein Lebewesen ausmachen kann, bevor ihm eine knuffige Schnauze oder Schlappohren verpasst wurden, damit er wie ein Spielzeug daherkommt. Andererseits ist der Wolf nicht mit einer Großmutter fressenden Figur aus dem Märchen zu verwechseln. Er ist Natur.

Mit eben dieser springt der Mensch um, als gehöre sie ihm. Doch wenn Fauna und Flora nicht ins Konzept passen, wird sie wie im Fall des Wolfes ausgerottet. Dass dieses Tier 150 Jahre später in Deutschland langsam wieder heimisch wird, sollten wir als Gewinn für die Artenvielfalt sehen und nicht als Bedrohung. In Wahrheit ist es doch umgekehrt: Der Mensch ist in vielfacher Hinsicht der größte Gefährder für die Natur.

Und so ist es nun wieder beim Wolf: Über die vermeintliche Beißattacke in Niedersachsen lag noch kein Befund vor, da wurden aus der CDU schon Forderungen nach »wolfsfreien Zonen« erhoben. Gebiete also, in denen die bedrohte Tierart geschossen werden dürfte. Wie wäre es zur Abwechslung mit Konzepten, damit Wildnis und Mensch koexistieren können?

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